IT-Blog

Ab ins Home-Office – nur eine technische Hürde?

Fr, 29. Januar 2021

„Des einen Freud, des anderen Leid“ – treffender kann man die Home-Office-Situation kaum beschreiben.

Nicht jeder, der möchte, kann ins Home-Office gehen. Nicht jeder, der kann, möchte ins Home-Office gehen. Und nicht ohne Grund ist vom Gesetzgeber eine Verpflichtung zum Home-Office für den Arbeitnehmer unzulässig. Wir von der itelio sehen uns selbst natürlich als hochtechnisierten und digitalisierten Betrieb. Unsere IT-Ausstattung ist natürlich sehr modern und nicht veraltet. Auch für die Mitarbeiter wird nicht am Equipment gespart. Neue und moderne Konzepte, wie zum Beispiel die Einführung der Microsoft Cloud mit den verschiedensten Office-Produkten und auch Azure waren bei uns schon lange und unabhängig vor der Corona-Krise im Einsatz.

Aber trotzdem traf auch uns Mitte März 2020 das „Home-Office“ mehr oder weniger aus heiterem Himmel. Von einem Tag auf den anderen schafften wir, was vielen anderen Unternehmen nicht möglich war. Knapp 100 Mitarbeiter von tatsächlich einem Tag auf den anderen raus aus den Büros zu bringen und diese in das Home-Office zu schicken. Aus technischer Sicht war das mit relativ wenigen Problemen verbunden. Vereinzelt mussten Notebooks, Monitore und sonstige IT-Hardware angeschafft werden. Jedoch war es ein voller Erfolg und auch die Mitarbeiter machten die Umstellung anstandslos mit. Obwohl die Arbeit nun bei den meisten mindestens genauso gut oder besser funktioniert als im Büro, haben sich in der Arbeitsweise untereinander und generell im sozialen Miteinander vieles geändert. Denn die soziale Komponente wird fast ausschließlich über Microsoft Teams abgewickelt.

Wir haben uns bei unseren Mitarbeitern der itelio umgehört, wie sie das Projekt „Home-Office“ selbst erleben.

Veronika, Marketing-Mitarbeiterin und langjährige Angestellte bei itelio.

Vroni, wie siehst Du das mit dem Home-Office? Vor- oder Nachteil?
Veronika: „Als Vorteil sehe ich das konzentrierte Arbeiten zu Hause. Daheim bin ich allein, so gesehen kann mich keiner stören. Dafür hat man halt auch keinen (persönlichen) Kontakt mit anderen Kollegen. Der soziale Kontakt fehlt dann nach einiger Zeit. Man vermisst es einfach, wenn man sich auf der Treppe begegnet und kurz austauscht. Mitarbeiter aus anderen Abteilungen, mit denen man von vorher schon wenig Kontakt hatte, habe ich seit Sommer nicht mehr gesehen oder gesprochen. Vorher konnte man sich beim Mittagessen austauschen. Das finde ich sehr schade.“

Würdest Du für die Zeit nach der Pandemie Home-Office oder wieder Büro vorziehen?
Veronika: „Ich fände ein Mischprinzip sehr ansprechend, z. B. drei Tage Büro, zwei Tage Home-Office. Das ist auch für Pendler sehr viel angenehmer und gerade im Winter bin ich froh, dass ich nicht fahren muss. Für die, die es haben wollen und bei denen es einfach geht, ist das wünschenswert und die sollten das in Anspruch nehmen dürfen. Diejenigen, die lieber ins Büro kommen wollen, sollten das auch dürfen. Also für die Zukunft gesprochen, wo Home-Office dann kein „Zwang“ mehr ist, sondern eine Option.

Vivian und Christina, Neue Mitarbeiterin und ihr Buddy (Christina)

Vivian, Du bist erst wenige Wochen bei uns und hast damit deine Karriere bei der itelio mitten in der Corona-Krise begonnen. Fühlt sich die itelio an wie eine 100-Mann Firma?
Vivian: „Nein, überhaupt nicht. Gefühlt ist es eher wie drei Leute. In den Büros ist es dunkel, man begegnet natürlich keinen Personen. Eine der ganz wenigen Kollegen, die ich persönlich kennen gelernt habe, ist natürlich Chrissi. Sie ist mein Buddy und zeigt mir, was hier meine Aufgaben sind und schult mich ein. Man sieht die Leute nicht, alles läuft nur über Teams. Gerade auch in der Lernphase ist es etwas problematisch. Normal kann man schnell nachfragen, wenn man etwas noch nicht weiß oder Unterstützung braucht.“

Christina, wie sieht das aus deiner Sicht aus mit der Integration neuer Mitarbeiter in dieser Situation?
Christina: „Ich denke, das ist schon sehr viel schwieriger, auch den Kontakt zu anderen Kollegen herzustellen, die man nicht persönlich kennt. Es ist sicher normal, ab einer gewissen Größe einer Firma nicht alle Kollegen genau zu kennen, aber derzeit ist es für neue Mitarbeiter besonders schwer. Sie kennen ja im Prinzip nur ihren Buddy bzw. vielleicht noch den nächsten Vorgesetzten. Den aber meist auch nur mehr aus Teams oder noch vom Bewerbungsgespräch.“

Was würdet ihr euch für die Zukunft wünschen? Home-Office? Büro? Mischbetrieb?
Christina: „Ich fände den Mischbetrieb toll. Ich freue mich immer wieder, wenn ich in die Firma kommen und einfach auch den sozialen Kontakt mit den Kollegen pflegen kann. Nur Home-Office finde ich etwas extrem, trotz der etwas weiteren Entfernung zu meinem Wohnort.“Vivian: „Es gibt sicher Aufgaben, die besser im Büro zu erledigen sind. Home-Office ist aber natürlich besser, wenn es sich um zum Beispiel Weiterbildung handelt. Eine gesunde Mischung aus Home-Office und Büro finde ich gut.“

Stefan, Videoproduktion und Docusnap-Webinar-Experte

Stefan, Du bist einer der wenigen, die regelmäßig in das Büro müssen. Warum?
Stefan: „Ja, die hauseigenen Videoproduktionen erfordern tatsächlich die Anwesenheit in der Firma. Nicht nur für die Aufnahmen, sondern auch für die Bearbeitung und Schnitt der Videos. Auch heutzutage ist die Datenmenge bei Videoschnitt einfach zu groß. Wir reden hier von 100-200 GByte. Hier brauchen wir auch ein sehr leistungsstarkes Gerät, weswegen wir hier auch kein Mobilgerät bzw. Notebook einfach einsetzen können.“

Trotzdem bist Du ja nicht ständig mit Videos beschäftigt. Du bist auch im Home-Office tätig. Vermisst du da etwas?
Stefan: „Ich vermisse im Home-Office auf alle Fälle meine Kollegen, das „Socializing“. Der persönliche Kontakt im Büro hilft aber auch sehr, um ganz spontan Themen zu zweit oder dritt abzusprechen. Das macht man im Home-Office leider nicht so. Aber ich finde, die Zusammenarbeit klappt trotzdem sehr, sehr gut. Durch den flächendeckenden Rollout von Teams inklusive Webcams an alle Kollegen, ist man auch zuhause nicht so allein. Für manche Arbeiten, wie das Schreiben von Blogartikeln oder das ‚Skripten‘ von Videos, ist die Ruhe zuhause sogar förderlich.“

Wie würde es Deiner Meinung nach mit dem Home-Office nach der Corona-Krise weitergehen?
Stefan: „Das ist natürlich immer stark abhängig von der Tätigkeit und den aktuellen aufgaben. Aber generell würde ich sagen, dass für meine Tätigkeit im Schnitt 2 Tage pro Woche zuhause ganz gut sind.“

Julia, HR-Abteilung und unter anderem verantwortlich für unsere Azubis

Julia, wie geht es Dir mit dem Home-Office?
Julia: „Ich bin ständig im Haus. Die soziale Komponente via Teams ist für mich wichtig. Schwierig finde ich das Onboarding neuer Mitarbeiter zurzeit und auch die Einarbeitung unserer neuen Azubis. Die kommen ja quasi frisch von der Schulbank und müssen sich nicht nur an den Berufsalltag gewöhnen, sondern auch an das selbstständige Arbeiten allein im Home-Office.

Du hast natürlich viel mit unseren Azubis zu tun. Wie gestaltet sich hier der Kontakt?
Julia: „Ich persönlich versuche, immer meine Kamera bei Teams-Besprechungen zu aktivieren. Mit den „neuen“ Azubis mache ich jetzt jeden Donnerstag ein „Early Bird“, ein kurzes Frühmeeting, um ungezwungen zu quatschen.“

itelio bietet im Normalbetrieb eine Vielzahl organisierter sozialer Unternehmungen. Plant ihr für die Azubis hierzu Alternativen?
Julia:“ Ich bin der festen Überzeugung, dass eine persönliche Zusammenkunft schon bald wieder möglich sein wird. Sollte das nicht der Fall sein, so plane ich zumindest demnächst einen „virtuellen Azubi-Ausflug“ in einen „virtuellen Escape-Room“.

Raphael, Cloud Development Team und auch im Außendienst tätig

Raphael, du bist auch noch einer der jüngeren Mitarbeiter bei der itelio. Was ist das für eine Erfahrung, die meiste Zeit im Home-Office zu sein?
Raphael: „Home-Office hat ganz klare Vorteile, wenn es darum geht, abgeschottet und in Ruhe an einem Projekt zu arbeiten. Da geht dann auch echt etwas voran. Andererseits ist man nicht ständig auf komplette Abgeschiedenheit angewiesen und in diesen Situationen fehlt die soziale Komponente ganz deutlich.“

Du musstest im vergangenen Jahr auch öfter noch zu Kundenterminen, also tatsächlich in den Außendienst.
Raphael: „Auch das war natürlich jedes Mal eine recht ungewöhnliche Situation. Wir mussten uns natürlich an alle gesetzlichen Regeln halten und dies wurde zu jederzeit auch von den Kunden eingehalten. Alle hatten stets Masken auf, Besprechungen wurden in großen Räumen durchgeführt, wo weit mehr als 2m Abstand zueinander möglich waren. Auch die Durchführung der Arbeiten wurde unter Berücksichtigung dieser Regeln erledigt. Es ist kein Vergleich zu vorher.“

Irgendwann wird bestimmt wieder eine Normalisierung eintreten. Würdest Du dann eher Home-Office, Büro oder einen Mischbetrieb bevorzugen?
Raphael: „Definitiv einen Mischbetrieb. Der Wechsel ins Home-Office war zwar absolut problemlos und funktioniert sehr gut, aber auf Dauer ist das keine optimale Lösung. 2-3 Tage Home-Office, zwei Tage Büro, das wäre eine tolle Mischung.“

Alexander, Teamleiter

Alex, du leitest eine Abteilung und führst etliche Mitarbeiter nun von zu Hause aus. Funktioniert das?
Alexander: „Aus meiner Sicht überwiegen in der jetzigen Zeit klar die Vorteile der Möglichkeit zum ‚Home-Office‘.“

Gab es Probleme bei der Umstellung von Büro auf Home-Office?
Alexander: „Sofern Ausstattung und technische Infrastruktur auf gutem Niveau zur Verfügung stehen, macht es gewisse Arbeitsabläufe sogar effizienter – wie zum Beispiel Meetings. Natürlich mit dem Wermutstropfen, dass man seine Kollegen nicht mehr persönlich trifft.“

Für dich wäre nach der Corona-Krise der bewährte Büro-Alltag wieder ein Thema oder sollte man auch in Zukunft das Home-Office nicht außer Acht lassen?
Alexander: „Keine einfache Frage. Bei uns im Team kann ich mir durchaus eine Mischform vorstellen. Natürlich mit der kurzfristigen Flexibilität, dass Mitarbeiter bei Bedarf in die Firma kommen können. Es ist aber sicher nicht im Sinne des Erfinders, wenn Bürotage aufgrund privater Gründe, wie z. B. „Mein(e) Frau (Mann) braucht das Auto“ als Tag im Home-Office eingefordert werden.“

Peter, Geschäftsführer der itelio GmbH:

Peter, Home-Office hat uns alle von einem Tag auf den anderen erwischt. Wie denkst Du als Geschäftsführer der itelio GmbH nach fast einem Jahr über Home-Office?
Peter: „Grundsätzlich sehe ich das Home-Office im Moment als notwendig und als positiv an. Ich bin immer wieder verwundert, wenn ich von Führungskräften aus anderen Firmen Bedenken höre, die Mitarbeiter würden im Home-Office weniger motiviert arbeiten. Meistens sind das aber nur Vorurteile und in den betreffenden Firmen wurden noch keine großen Erfahrungen mit Home-Office gemacht. Wir sehen bei uns überhaupt keinen Leistungsabfall, eher im Gegenteil! Nur die soziale Komponente macht mir immer wieder Sorgen, auf lange Sicht ist 100% Home-Office sicherlich zu viel.“

Kommt der normale Büro-Alltag wieder oder wird Home-Office dauerhaft Bestand haben?
„Langfristig wird sich hier sicherlich eine sinnvolle Teilung zwischen Büro und Home-Office ergeben.“

Fazit:

Praktisch von jedem unserer Befragten kommt beim Home-Office die soziale Komponente deutlich zu kurz. Teams und Webcams können nur einen Teil davon abfedern, ersetzen aber die persönlichen Kontakte und vor allem auch die kurzen Gespräche auf dem Flur nicht. Auch haben unsere interviewten Kollegen prinzipiell keine Probleme mit dem Home-Office. Homeschooling ist bei den meisten (noch) kein Thema, die anderen haben sich gut damit arrangieren können.

Trotz der vorhandenen Annehmlichkeiten wie Einsparung der Fahrtzeiten und Wohlfühlatmosphäre in Jogging-Hose ist für alle befragten eine Rückkehr zumindest für einen Teil der Wochentage eher unverzichtbar und gewünscht. So ganz vom gut funktionierenden Home-Office abrücken möchte aber auch kaum jemand, denn in bestimmten Situationen hat Home-Office sowohl für Mitarbeiter als auch für das Unternehmen große Vorteile.