IT-Blog

Frühjahrsputz am PC und Betriebssystem

Mi, 24. März 2021

Es gehört zum allgemein guten Ton, sich in den ersten Frühlingswochen mit einer Tradition auseinanderzusetzen, die schon seit Generationen unser Leben mitbestimmt: Der Frühjahrsputz. Aber nicht nur dem durch die Wintermonate in Mitleidenschaft gezogenen Haushalt tut eine reinigende Auffrischung gut.

Bevor sich jetzt jemand mit Mopp und Kärcher bewaffnet – nein, das sind nicht die Mittel zur Wahl, um einen Computer wieder auf Vordermann zu bringen. Wir brauchen Köpfchen. Und Geduld.

Das Betriebssystem erstmal Außen vor lassen

Zum Glück können wir beim verbreiteten Windows-Betriebssystem selbst nicht wirklich viel Hand anlegen. Vorbei sind die Zeiten von Windows XP, wo man noch selbst die Macht hatte, den Zeitpunkt der Servicepack-Installationen zu bestimmen. Zudem sah zumindest bei mir der regelmäßige Zyklus von ca. 6-8 Monaten vor, einmal komplett neu zu installieren. Lief einfach besser.

Das hat sich zum Vorteil vieler IT-affinen Bekannten, Verwandten und IT-Gurus geändert. Mit dem aktuellen Betriebssystem werden im Hintergrund ständig die Updates überwacht und auch zeitgerecht installiert. Heute mehr denn je ein sehr wichtiger Punkt für die Sicherheit am Rechner. Trotzdem können wir zur Sicherheit das Windows-Update auch manuell starten und kontrollieren, ob weitere Updates anstehen.

Auch sind mittlerweile Defragmentierungen der Festplatten kein Problem mehr. Erstens erledigt auch das Windows bereits selbständig, zum Zweiten aber sind mittlerweile im Großteil der Rechner SSDs (Solid State Disks) eingebaut, die über eine komplett andere Technik verfügen. Übrigens sind SSDs keine Festplatten (HDDs). Während sich in letzteren schnell drehende Scheiben befinden, auf denen die Daten mittels Magnetköpfen gespeichert werden, handelt es sich bei SSDs grundsätzlich um das Gleiche wie USB-Sticks, nur in anderer Qualität (bessere Speicherbausteine für mehr Belastung) und mit anderen Anschlüssen (SATA oder PCIe). SSDs sind nicht nur wesentlich schneller, sondern auch deutlich wartungsärmer als ihre Scheibenkollegen. Deren Vorteil liegt derweil nur mehr in den gewaltigen Kapazitäten von derzeit schon weit über 10 Terrabyte pro Gerät und den günstigen Preisen pro Terrabyte.

Interessanter wird es da schon bei den Treibern für die verbaute Hardware. Während reine Office-PCs meist über Jahre mit den von den Herstellern vorinstallierten Treibern noch gut funktionieren und meist auch mit den Windows-Updates aktuell gehalten werden, sind spezialisierte Hardware-Komponenten oft auf unser Zutun angewiesen.

Je nachdem, wie sehr wir mit unserer Hardware vertraut sind und welche Anwendungen wir benutzen, sollte dabei immer ein Grundsatz der IT, in unserem Hinterkopf wie in Granit eingemeißelt, seinen Platz haben: „Never change a running system!“ Läuft das Gerät zufriedenstellend, macht keine Probleme und auch die benutzten Programme setzen keine neueren Gerätetreiber voraus, darf man sich zweimal überlegen, ob man hier Updates vornimmt. Speziell, wenn es um Firmware von Hauptplatinen oder anderen verbauten Geräten geht, sollte man schon wissen was man tut.

Darum werden gerade im Office-Bereich und auf produktiven Geräten solche Vorgänge eher nicht zum Umfang des Frühjahrsputzes dazugehören.

Wer es sich dennoch als Ziel gesetzt hat, alles auf den neuesten Stand zu bringen, der hämmert sich sogleich den zweiten Grundsatz der IT in den Kopf: „Ohne Datensicherung machen wir erstmal … gar nix!

Ja, das ist jetzt erstmal eine Aufgabe, die uns sehr beschäftigen könnte. „Datensicherung? Ich möchte ja nur …“. Spezielle Foren im Internet sind voll mit schluchzenden Usern, die ihre Daten durch eine unbedachte Aktion für immer ins Nirwana geschickt haben.

Gerade Mainboards mit all ihren Controllern können uns da mal eben in die Verzweiflung treiben, wenn plötzlich Festplatten oder SSDs nicht mehr reagieren wollen.

Haben wir also alle Daten auf zum Beispiel einer externen Festplatte oder auf einem Online-Dienst wie zum Beispiel Microsoft OneDrive gesichert, kann kaum mehr etwas schief gehen. Vor allem von unwiederbringlichen Dokumenten und Fotos sollte immer ein Backup existieren.

Vor dem Aufräumen Anleitungen lesen

Oftmals sind wir nicht in der Lage, vor dem ersten Versuch eine Anleitung zu lesen und vorab zu verstehen, was für einen erfolgreichen Vorgang nötig ist. Geht es um die Hardware im Computer, sollte man aber von dieser Taktik abweichen.

Daher Grundsatz Nummer drei: „Geduld haben und sich vorbereiten.

Die Prozesse hinter den Updates sind von Hersteller zu Hersteller verschieden. Mal verwenden sie bequemerweise ein Programm, das unter Windows läuft, um Firmware oder BIOS auf einen neuen Stand zu bringen, mal müssen umständlich USB-Sticks formatiert und damit an einem bestimmten USB-Anschluss des PCs neu gestartet werden. Diese Informationen findet man aber immer im Handbuch oder auf der Webseite des Herstellers.

Gratulation. Wenn der PC nach dem Update wieder läuft und Sie Windows mit dem vertrauten Login-Bildschirm begrüßt, haben Sie es geschafft. Und in den meisten Fällen merken Sie nichts davon.

Das ist im Übrigen die größte Belohnung, die wir durch solche Aktionen erhalten können. Wir merken nichts davon, dass sich etwas geändert hat. Das bedeutet für uns nämlich, dass alles sauber läuft und wir auch davon ausgehen können, dass neue Geräte oder Hardware auch in Zukunft ihren Dienst einwandfrei machen können. Selten erweitern sich Funktionen durch solch eine Aktion. Zuviel Aufwand für nichts Fühlbares? Erinnern Sie sich bitte an den ersten Grundsatz der IT: „Never change a running system!“ Wer es nicht braucht, muss es nicht tun. Aber wir reden hier vom Frühjahrsputz und da geht es ja oft auch um das Prinzip.

Die nächsten Vorgänge, das Installieren der aktuellen Treiber für Chipsatz, Grafikkarten und eventuell zusätzlich angeschlossene oder verbaute Geräte ist meist mit weniger Aufwand zu betreiben. Herstellerseite im Internet aufrufen, neueste Gerätetreiber herunterladen und installieren. Zu beachten gibt es hier, dass man sich keine unbedingt notwendige Software mitinstalliert. Wer zu schnell auf „Ja“, „Yes“, „OK“ oder „好的“ klickt, hat schnell mal ein nettes kleines Tool mitinstalliert, das im Besten Fall einfach nur nervt.

Das war erst der Anfang

Glauben Sie nicht, dass wir jetzt, nachdem alle Geräte mit den neuesten Treibern und sogar unser Mainboard mit dem aktuellen BIOS versorgt wurden, mit dem Frühjahrsputz durch sind. Die wirkliche Arbeit beginnt nämlich erst jetzt.

Zuerst beginnen wir mit dem Durchforsten der installierten Programme und sehen nach, ob wir nicht im Laufe des Jahres Programme installiert haben, die wir gar nicht benötigen. Das können Programme gewesen sein, die wir nur kurz testen wollten, aber auch Tools, die durch andere abgelöst wurden. Und nicht zuletzt nette kleine Tools, die sich mit anderen Programmen mitinstalliert haben.

Drücken Sie einfach die Windows-Taste und tippen „Programme hinzufügen oder entfernen“ auf der Tastatur ein. Normalerweise sollte nach den ersten Buchstaben schon der Vorschlag dafür auftauchen. Durchforsten Sie die Liste und entfernen die nicht benötigte Programme. Neben dem freigewordenen Speicherplatz profitiert man nicht selten durch deinstallierte, dazugehörige Dienste im Hintergrund. Dadurch kann auch das Betriebssystem schneller starten.

Wer sich nicht sicher ist, ob man ein Programm nicht doch irgendwie in Verbindung mit einem anderen braucht, der kann im Internet nach dem Programm suchen und sich vorab informieren, ob er es tatsächlich benötigt. Sie wissen schon – „Geduld haben und sich vorbereiten“.

Updates der Programme sollten in der Regel innerhalb der Applikation selbst zu erledigen sein. Meist findet man unter dem Menüpunkt „?“ oder „Hilfe“ auch die Funktion „Auf Updates überprüfen“ oder ähnliches. Auch hier darf man sich gerne mit den sogenannten Patch-Notes auseinandersetzen und abwägen, ob ein Update in Frage kommt. Immer mit dem Grundsatz Nummer 1 im Hinterkopf: „Never change a…“

Als kleinen Zwischenstopp schauen wir nochmal kurz nach, was Windows denn so automatisch startet. Dafür starten wir den Task-Manager und klicken auf den Reiter Autostart. Dort sehen wir, welche Programmteile beim Windows-Start automatisch gestartet werden und können so auch selbst bestimmen, ob hier wirklich jedes Tool oder Auto-Updater notwendig ist. Fehlt bei Ihnen der Reiter Autostart, brauchen Sie sich keine Gedanken darüber zu machen. Dann hat die IT-Administration bereits alles für Sie erledigt und den Reiter ausgeblendet. Oder mit anderen Worten: „Finger weg, das ist unser Baby!“

Jetzt wird es aufwändig

Der Teil, vor dem sich jeder fürchtet, beginnt jetzt: Das Aufräumen des Foto-Verzeichnisses.

Als irgendwann um die Jahrtausendwende die ersten Telefone (noch nicht Smartphones) mit eingebauter Kamera auf den Markt kamen, war die Begeisterung größer als die Speicherkapazität auf den Geräten. Auch die Qualität reichte in den meisten Fällen nur zur Anzeige auf den winzigen Displays der Telefone und am PC nahmen die paar Bildchen kaum Speicherplatz weg.

Seit etlichen Jahren aber machen Smartphones derart gute Bilder, dass Sie für Urlaube, Wanderungen, Familienfeiern, also so gut wie für alles unsere Digitalkameras zu 99% ersetzt haben. Mit fatalen Folgen. Wir fotografieren alles und zu jeder Zeit. Und spätestens, wenn der nächste Smartphone-Tausch ansteht, wandern zehntausende Bilder unsortiert auf den PC.

Ja, jetzt geht es darum, hier etwas Ordnung zu schaffen. Hierzu dürfen wir aber gerne ein externes Tool verwenden, um Dubletten oder unscharfe Bilder automatisch zu löschen – oder zu sortieren, filtern, verändern. Denn mit Windows Bordmitteln ist dem nicht mehr beizukommen. Wobei man sich dann gerne die Frage stellt, ob das noch ein Frühjahrsputz wird oder der Beginn einer neuen Hassliebe zur Fotografie. Falls Sie zu dem Schluss gekommen sind, dass Sie die Fotos lieber so belassen wie sie sind – es werden immer mehr. Und mehr. Und mehr. Und mehr…

Prinzipiell gilt das auch für unsere Dokumente, die wir auf unserem PC gespeichert haben. Da allerdings die Dokumentenanzahl deutlich geringer ist, als die der Bilder, kommt man hier garantiert mit wesentlich weniger Aufwand zum Ziel.

Aufgrund der Wichtigkeit hier nochmal der Aufruf zu einer adäquaten Datensicherung, die im privaten Bereich auch mit kostenlosen Tools gut bewerkstelligt werden kann. Den Unterschied zwischen einem vollwertigen Daten-Backup und einer Kopie erläutern wir wiederum in einem anderen Blog-Artikel.

Zu guter Letzt sollten wir uns dann noch um unsere(n) Browser kümmern. Wir wollen uns aber weder um temporäre Daten oder Cookies kümmern. Es wäre kaum sinnvoll, etwas zu löschen, was vom System bzw. Browser in kürzester Zeit wieder hergestellt bzw. Cookies beim Besuch wieder neu angelegt werden. Zumal mit der Löschung oft auch ein eher unangenehmer Effekt eintritt und wir wieder unsere gespeicherten Kennwörter rauskramen und erneut eingeben müssen. Hoppla, neues Projekt: Der Passwortmanager. Aber gehört nicht unbedingt zum Frühjahrsputz und hat bei uns einen eigenen Blog-Artikel verdient.

Vielmehr sollten uns hier die Add-Ons interessieren, die wir im Rahmen unserer Reinigungsaktion einmal durchforsten. Auch hier ist oft ein vergessenes „hab nur mal kurz probiert“ der Grund, warum Browser vielleicht nicht immer das tun, was wir wollen. Ebenfalls eine sehr individuelle Sache, daher kämpfen Sie sich einmal durch und nutzen die „allwissende Macht“ von Google.

Ein wenig Ordnung und Pflege lassen ein System stabil weiterlaufen. Natürlich bedeutet das ein wenig Aufwand, vor allem aber einiges an Geduld und Hirnschmalz. In nahezu keinem Fall würde ich zu vollkommen automatisierten Tools greifen, die einem Anwendungen löschen und schlimmstenfalls auch in die Registry von Windows eingreifen. Das kann gut gehen, wird es aber in vielen Fällen nicht. Und spätestens dann brauchen Sie eine gute Datensicherung und eine Neuinstallation von Windows. Ok, das ist dann aber auch die Variante „Blitz-Blank“ und da kann man wirklich direkt vom Desktop-Boden essen.