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Frühjahrsputz – jetzt geht es ans Eingemachte!

Di, 30. März 2021

Computer brauchen Pflege. Das betrifft sowohl das Betriebssystem mit den darauf installierten Programmen als auch die Hardware, die von gelegentlichen Updates der Treiber und Firmware auch oft profitieren kann.
Aber auch schmutzige Tastaturen, verschmierte Monitore, klebrige Mäuse und verstaubte Gehäuse dürfen gerne in den Genuss des alljährlichen Frühjahrsputzes kommen. Da wir anders als beim Auto hier nicht mit schwerem Gerät wie Dampfstrahler oder der chemischen Keule antreten sollten, erklären wir gerne, worauf man bei der Reinigung des Equipments achten sollte.

Vorab etwas grundsätzliches zum Thema „Oh, warum funktioniert jetzt der Computer nicht mehr?“:
So ziemlich alles, was wir am Computer anfassen, ist voller Elektronik. Auch wenn wir uns hier zumeist in einem sehr niedrigen Spannungsbereich bewegen, sind insbesondere leitfähige Flüssigkeiten keine gute Idee. Dazu zählt auch unser Wasser, egal ob destilliert, aus der Leitung oder mit einem Putzmittel versehen.

Destilliertes Wasser leitet keinen Strom!

Bevor wir von einigen Lesern gleich gekreuzigt und der Lüge bezichtigt werden, eine kurze Erklärung dazu. Natürlich stimmt es, dass reines Wasser nicht leitfähig ist und so auch keinen Kurzschluss verursachen könnte. Im Labor. In einem sauberen Wassertank, gefüllt mit destilliertem Wasser, kann keine Leitfähigkeit festgestellt werden. Erst durch Zusatz von Mineralien oder Salz beginnt das Wasser langsam, auch Strom messbar zu transportieren.
Mineralien, Salze, Verunreinigungen. Das sind durchaus Bestandteile des Schmutzes, die wir im verstaubten Computer, an Monitoren und anderen Geräten in geringen Spuren finden können. Und wenn das destillierte Wasser damit in Berührung kommt und sich, wenn auch nur geringe Mengen davon im Wasser lösen, ist was die Folge? „Oh, warum funktioniert jetzt der Computer nicht mehr?“

Es geht um die Äußerlichkeiten

Als erstes fallen naturgemäß die üblichen sichtbaren Verschmutzungen im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge. Wenn wir vor dem PC sitzen, sind in der Regel Monitor, Tastatur und Computer getrennte Einheiten. Beim Notebook haben wir, abgesehen von der angeschlossenen Maus, alles in einem Gerät. Hier heißt es besonders vorsichtig zu sein.
Reinigungswerkzeug unserer Wahl ist ein feiner, nicht zu kleiner Haarpinsel, ein sehr weiches Tuch und ein mildes, in Wasser gelöstes Reinigungsmittel. Ein mildes Spülmittel eignet sich hierfür sehr gut. Warum jetzt wieder Wasser ins Spiel kommt? Weil, wenn es richtig angewendet wird, nicht mit der Elektronik in Verbindung kommt. Das weiche Tuch muss vor dem Einsatz ordentlich ausgewrungen sein und darf auf keinen Fall tropfen.
Als Alternative gibt es im Handel auch spezielle Reiniger, die eine sanfte und sichere Anwendung am PC versprechen. Normalerweise sind das dann Kombinationen aus Wasser und … Spülmittel. Reiniger mit Alkohol sind insbesondere für die Pflege des Monitors keine gute Wahl, sie können die empfindlichen Beschichtungen an den Bildschirmen angreifen.
Auch wenn wir nur mit feuchten Tüchern arbeiten, empfiehlt es sich, möglichst die Geräte vom Computer zu trennen. Also Maus, Tastatur und andere Peripherie abstecken.

Los geht’s!

Über den eigentlichen Reinigungsprozess müssen wir nur wenige Worte verlieren. Mit dem Pinsel schaffen wir den gröbsten Schmutz aus den Ritzen, Winkeln und unzugänglichen Stellen an die Oberfläche. Bei der Tastatur lohnt es sich, diese vor Beginn der Reinigung einmal umzudrehen und sanft zu schütteln. Wahre Schätze tun sich oft auf, von Haaren über Brösel bin hin zu den verloren geglaubten Pizzastückchen kommen da wieder zum Vorschein.
Es darf auch ein Staubsauger zum Einsatz kommen, der diese teilweise etwas unangenehm anmutenden Teilchen entfernt. Aber bitte nicht mit dem blanken Rohr über die Geräte donnern, sondern mit entsprechendem Aufsatz und mit möglichst geringer Saugleistung.
Die Oberflächen reinigen wir mit dem feuchten Tuch. Dabei hat es sich als durchaus wirksam bewahrheitet, eher mit Geduld als mit purer Kraft und Aggression gegen hartnäckige Verschmutzungen vorzugehen.
Gut, Hartplastik verträgt so einiges, hin und wieder kommt auch Aluminium bei besonders edlen Teilen vor, dezent gebürstet und im Neuzustand ein unglaubliches visuelles Erlebnis am sonst so tristen Arbeitsplatz. Dort würden Kratzer noch schneller auffallen, darum auch hier lieber mit Geduld und Sorgfalt anstatt der Rubbelorgie vollführen.
Wer von früher noch die Mäuse mit der Kugel kannte, wird sich über die nahezu wartungsfreie und durch Schmutz nicht zu stoppende Technik freuen. Optische Sensoren an der Unterseite arbeiten viel genauer und zuverlässiger, als das früher möglich war. Auch hier der Grundsatz: Weniger (Wasser) ist mehr. Zu leicht könnten sich Tropfen in das innere der Maus verirren. Es besteht also durchaus Gefahr.
Besonderer Behutsamkeit bedarf wie schon oben angedeutet der Monitor. Da es sich bei der Bildschirmfläche nicht um Glas, sondern um eine Kunststoffschicht handelt, ist von jeglichem scharfen Reiniger oder Glasreiniger oder alkoholhaltigen Reinigern unbedingt abzusehen. Auf der Oberfläche zerstört man zwar keine Elektronik, ist aber die Beschichtung bzw. die Kunststoffschicht zerkratzt oder beschädigt, gibt es hier keine günstige Möglichkeit, den Makel wieder zu beseitigen. In den meisten Fällen heißt dann die einzige Lösung: Tschüss Monitor, hallo neues Gerät.

Schwere Fälle

Nicht erst seit den Zeiten des Home-Office sitzen wir viele Stunden vor dem Computer. Das hat natürlich zur Folge, dass wir am Arbeitsplatz oftmals auch essen (es gibt aber scheinbar trotzdem auch Leute, die das nicht machen – fast unglaublich) und trinken.
Mich persönlich würde eine Statistik interessieren, wie viele Tastaturen, Mäuse und Notebooks den grausemen Tod durch Tollpatschigkeit fanden und der daraus folgenden Überflutung durch Kaffee, Tee, Kakao, Wasser, Wein, Cola, Fruchtsäfte, Milchprodukte … also so ziemlich allem, was vor dem Computer konsumiert werden kann. Wein? Ja, natürlich nicht während der Arbeitszeit …
Kippt man ein solches Getränk über die Tastatur, gibt es zwei sofortige Maßnahmen. Am PC die Tastatur sofort ausstecken, um eine direkte Beschädigung zu vermeiden.
Am Notebook wird es brenzlig. Deren Tastaturen sind zwar oft mit einem Schutz vor verschütteten Flüssigkeiten versehen, aber bei einer Überflutung ist es sehr wahrscheinlich, dass diese auch die darunter liegenden Komponenten erreicht. Wer hier nicht schnell handelt und zumindest das Notebook so auf den Kopf stellt, dass ein tieferes Eindringen erschwert wird, hat unter Umständen ein teures Problem.

Diese Reinigung überlässt man, nachdem die Flüssigkeit entfernt und das Gerät möglichst stromlos gemacht wurde (Stecker ziehen, Akku raus oder zumindest Gerät komplett ausgeschaltet), einem Fachmann.
Normale Tastaturen sind da weniger anfällig. Aus eigener Erfahrung konnte ich bei meiner Lieblingstastatur (ja, so etwas gibt es), die durch eine auf Zuckerwasser basierten Lösung mit koffeinhaltigen Substanzen (Cola!) versaut war, eine saubere und vor allem nicht mehr klebende Wiederherstellung des Originalzustands erreichen. Ich habe sie unter die Dusche gestellt, mit WASSER gründlich und lange abgespült und dann für einige Tage trocknen lassen. Ja, ich weiß – Wasser ist keine Option für die Reinigung … Sie wissen schon, dass wir das oben in erster Linie zu unserer Absicherung angeführt haben? Theorie und Praxis weichen dann doch mitunter davon ab. Dennoch nochmal der Hinweis – es besteht nach so einer Tortur keine Garantie, dass danach noch etwas funktioniert.

Kniffliger werden die Verunreinigungen, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Und zwar im inneren von Computergehäusen. In der Regel verfügen Computergehäuse über einen oder mehrere Lüfter. Zum einen führt ein Kühlblock mit aufgesetztem Schaufelrad die Wärme von den hitzköpfigen Prozessoren oder Grafikkarten direkt in die Umgebungsluft ab, zum anderen sind nicht selten auch Lüfter direkt im Gehäuse damit beauftragt, die heiße Luft nach draußen und kühlere Luft ins Innere zu befördern.
Der Verschmutzungsgrad im Inneren hängt nicht nur von den äußeren Gegebenheiten ab, werden aber dennoch gerne von Teppich nochmal beeinflusst. Vor den Gehäuselüftern ist in der Regel ein feiner Staubfilter angebracht, der möglichst viel Schmutz und Staub auffangen soll. Auch diesen sollte man bei einer Reinigung zumindest mit dem Staubsauger gründlich absaugen. Idealerweise wird aber, weil wir uns ja im jährlichen Frühjahrsputz-Turnus bewegen, der Lüfter abgeschraubt und der Filter getauscht.
Sieht Ihr Computer im inneren aus wie ein Flusensieb, dann ist höchstwahrscheinlich gar kein Filter eingebaut.

Eine Reinigung eines derart verschmutzten Innenlebens darf unter keinen Umständen mit der Keule passieren. Sprich – nicht mit dem Staubsauger volle Pulle über die Elektronik gehen, das kann zu schweren Schäden führen. Anstelle dessen verrichten wir unsere Reinigungsarbeit auch hier akribisch und sanft mit einem Pinsel, der den Staub von den Bauteilen löst. Als Unterstützung kann auch hier wieder der Staubsauger mit minimaler Leistung die herabfallenden Schmutzpartikel auffangen.
Besondere Vorsicht gilt wieder bei den Lüftern. Ich selbst ertappe mich immer wieder dabei, das Saugrohr direkt an die Flügelblätter zu halten und zuzusehen, wie sich der Rotor immer und immer schneller dreht. Und dabei auch noch gereinigt wird. Eigentlich ein großer Fehler, denn dreht sich der Lüfter durch den Saugstrom, produziert der dahinterliegende Elektromotor Spannung. Und kann damit wiederum eine Gefahr für die Hauptplatine bzw. die dort sitzenden Anschlüsse sein.
Pinseln Sie einfach unspektakulär den Staub aus den Rotorblättern und saugen nur den herabfallenden Schmutz auf. Ja, das ist langweilig und ohne Action, aber viel gesünder für den Computer.
Zuletzt schauen wir noch, ob sich starke Verschmutzungen in den Kühlrippen gesammelt hat. Um hier der Lage Herr zu werden, hat sich Druckluft (speziell für solche Fälle Druckluft in Dosen) bewährt.
Wenig Angst müssen Sie haben, wenn sie plötzlich ein Kabel in der Hand halten. Generell sind alle Verkabelungen gesteckt. Einige lassen sich nur an den vorgesehenen Plätzen einstecken (z. B. SATA – Verkabelungen für Festplatten, Anschlüsse des Netzteils), für andere muss ein Blick in die Anleitung (in Papierform oder im Internet auffindbar) geworfen werden (Einschalt-Taster, Reset-Taste, LEDs, etc.).
Haben wir auch hier wieder alle Ritzen und Ecken vom Staub befreit, dürfen wir uns endlich am aufgefrischten Arbeitsplatz erfreuen.

Notebooks sind etwas anders

Bei Notebooks wird die Sache etwas schwieriger, da die meisten Gehäuseteile mehrfach verschraubt und mit Garantiesiegeln versehen sind. Hochwertige Business-oder Gaming-Geräte verfügen vielleicht noch über sogenannte Wartungsklappen, die Speichermedien (SSD, HDD), Ram-Slots und die Kühlungseinheiten zur Wartung und Reinigung freilegen. Bei den meisten Geräten aber sollten sich wirklich nur versierte Fachleute mit dem Zerlegen und Reinigen befassen.
Die große Belohnung dieser Prozeduren liegt darin, wieder ein toll aussehendes Equipment wortwörtlich in den Händen zu halten. Aber auch der Stabilität und Langlebigkeit des Computers kommt eine gut funktionierende Kühlung zugute.