IT-Blog

IT-Problemen im Home-Office auf den Grund gehen

Do, 11. Februar 2021

Jeder IT-Administrator kennt die Witzeleien, wenn es darum geht, das IT-Problem am Arbeitsplatzrechner auszumachen. Aber nicht immer ist es ein PEBCAK (problem exists between chair and keyboard), auch nicht im Home-Office. Außerdem unterscheidet sich dort die IT-Infrastruktur doch meist deutlich vom professionellen Equipment im Unternehmen.

Ebenso anders verläuft der IT-Support im Home-Office. Denn ist im Unternehmen relativ rasch jemand vom hausinternen Support vor Ort und kümmert sich um die Wehwehchen, schafft man es im Home-Office relativ leicht, sich komplett vom Unternehmen oder der Außenwelt zu trennen. Wenn für einen selbst dann noch das Notebook, Internet und Wifi ein Buch mit sieben Siegeln ist, wird es für eine Diagnose und Selbsthilfe schwierig. Wir wollen hier ein paar grundsätzliche Dinge erklären, die man selbst schon vor der Kontaktaufnahme mit dem IT-Support abklären kann.

Die wichtigste Erkenntnis zur Selbsthilfe sollte aber gleich zu Anfang ganz oben stehen. Wir brauchen keine Angst haben, dass wir etwas kaputt machen. Solange wir keine Dateien löschen oder Warnungen auf dem Bildschirm ohne zu lesen (und verstehen) mit „JA“ beantworten, kann nicht wirklich viel passieren.

Probleme mit dem Computer oder dem Notebook

Sagen wir es gleich direkt heraus. Ein herausgezogenes Strom- oder Monitorkabel steht ganz weit oben auf der Fehlerliste. Darum gilt Grundsatz Nummer 1: Kabel und Steckdosenleisten kontrollieren. Katzen, Kinder oder der große Zeh, der mit dem Schalter auf der Steckdosenleiste ein geheimes Techtelmechtel unterm Tisch unterhält – all das können Gründe dafür sein, warum der PC nicht startet. Piepst der Computer bereits beim Hochfahren oder bleibt schon beim Start des Betriebssystems mit einer Fehlermeldung hängen, können nur mehr versierte Fachleute den Fehlern auf den Grund gehen. Hier bringen einfache Tipps und Tricks nichts mehr.

Ausschalten – Einschalten – Geht!

Treten während des Betriebs unerwartete Fehler auf oder starten Geräte oder Programme nicht einwandfrei, hilft es tatsächlich oft, den Computer erst einmal richtig herunter zu fahren und neu zu starten. Aber Vorsicht! Heutzutage werden Computer in den meisten Fällen nicht mehr vollständig heruntergefahren, sondern lediglich in einen stromsparenden Schnellstart-Modus. Um einen Computer tatsächlich komplett herunter zu fahren, halten Sie beim Klick auf die Schaltfläche „Herunterfahren“ zusätzlich die Shift-Taste (Hochstelltaste) gedrückt. Wundern Sie sich nicht, wenn beim nächsten Start das Betriebssystem etwas länger braucht als gewohnt. Schließlich muss ja alles komplett neu geladen werden.

Das Netzwerk

Etwas vielschichtiger werden Probleme mit der Konnektivität zum Internet. Das Wifi-Kabel kann man nicht falsch einstecken – es gibt keines. Übrigens ist im allgemeinen Sprachgebrauch Wifi und WLAN ein und dasselbe, bei beiden Begriffen meinen wir das drahtlose Netzwerk, mit dem Smartphone, Tablet oder Computer mit dem Access-Point (Router) verbunden sind. Die versierten Fachleute unter uns wissen aber, dass Wi-Fi die Zertifizierung des WLAN Standards durch die Wi-Fi Alliance ist. Diese vergibt dann auch so kunstvolle Namen wie IEEE-Standard 802.11a/b/n/ac/ax ….

Zudem ist eine WLAN-(Wifi-)Verbindung meistens auch etwas wechselhaft und störanfälliger als eine direkte Verkabelung.

Wenn generell eine Internetverbindung über das WLAN funktioniert, man aber gerade bei Videokonferenzen Aussetzer oder komplette Verbindungsabbrüche hat, liegt es meist an folgenden Störfaktoren:

  • Der Access-Point (Router) ist zu weit entfernt – Funksignal instabil und schwach
  • Das Notebook/Tablet befindet sich an einer ungünstigen Position (Störquellen)
  • Andere WLAN-Access-Points (Nachbarn) funken auf der gleichen Frequenz
  • Das Empfangsgerät hat eine zu schwache Sende-/Empfangsleistung

Ist der Access-Point zu weit weg, um eine stabile und schnelle Verbindung aufzubauen, gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten.

  1. Die Distanz verringern.
  2. Einen Repeater verwenden
  3. Ein Netzwerkkabel benutzen

In den meisten Fällen kann man nur temporär oder zum Testen die Distanz verringern. Befindet man sich in unmittelbarer Nähe zum WLAN-Router, sollten keine Probleme auftreten. Mit zunehmender Entfernung bricht die Verbindung ein.

Zum Überprüfen eignen sich hier zum Beispiel spezielle und kostenlose Apps für Android/iOS, sogenannte Wifi-Analyzer. Mit diesen können schnell andere WLANs und die benutzten Kanäle visualisiert werden.

Um die Reichweite zu erhöhen, kann man zuerst versuchen, den Router anders auszurichten. Idealerweise steht der Router frei und in möglichst hoher Position. Auf keinen Fall in einem Schrank oder hinter der Couch.

Hat man keine Möglichkeit, ihn anders zu positionieren oder hat dies nicht den gewünschten Erfolg gebracht, kann man auch einen Repeater verwenden. Dies sind kleine Geräte, die praktisch irgendwo auf halbem Weg zwischen Router und Home-Office installiert werden. Diese fangen das WLAN-Signal auf und senden es erneut weiter. Damit erreicht man eine deutlich erhöhte Reichweite. Aber Vorsicht – da ein Repeater nur entweder senden oder empfangen kann und dieser sowohl mit dem Endgerät als auch mit dem Router kommunizieren muss, halbiert sich die ohnehin meist geringere WLAN-Geschwindigkeit nochmals um die Hälfte. So werden aus zum Beispiel möglichen 150Mbit/s in einem 802.11n-WLAN nur mehr ca. 60-70 Mbit/s. Für Videokonferenzen sollte aber auch das locker ausreichen.

Im Idealfall lässt sich bei Notebooks und Computer aber auch ein Netzwerkkabel nutzen. Wer mit Kabelkanälen an oder in den Wänden frühzeitig vorgesorgt hat, hat hier ein relativ leichtes Spiel. Andere wiederum müssen zur Bohrmaschine greifen, um Kabel stolperfrei quer durch Räume zu verlegen. Ist Vermieter oder Partner dagegen, bleibt noch das temporär freiliegende Kabel vom PC/Notebook zum Router. Das darf dann auch pro Segment bis zu 180m lang sein und es reicht in jedem Fall ein flexibles Kabel der Kategorie 5 (Cat 5) für Gigabit-Übertragungen.

Störquellen

Einerseits gibt es genügend Geräte rund um den PC/Notebook, die WLAN negativ beeinflussen können. Da wären zum Beispiel schlecht abgeschirmte Kabel zum Monitor oder USB-HUB, das neben dem Notebook liegende Smartphone (oder umgekehrt) oder bei schwächeren Verbindungen auch die Kaffeetasse mit dem Metall-Löffel, die Unterbrechungen auslösen können.

Man darf auch nie vergessen, dass zwar vielleicht das Signal vom Router an der Stelle noch in guter Qualität ankommt. Aber auch das Endgerät muss die gleiche Distanz zum Router überwinden und hier gibt es große Qualitätsunterschiede bei den Geräten.

Aber auch bei einem sauberen Arbeitsplatz ohne Störeinflüsse gibt es noch eine weit verbreitete Störquelle. Die Nachbarn.

Auch wenn es oft nicht den Anschein hat, funken die WLAN-Router bisweilen bis über 100m weit. Wer in einem Wohnblock oder Mehrfamilien-Haus wohnt, kennt das Problem ziemlich sicher. Alle Parteien, die Internet nutzen, haben meistens auch das WLAN aktiviert. Und standardmäßig ist bei den meisten Geräten das 2.4 GHz Netzwerk eingestellt.

Auch hier gibt es zwei Lösungen.

Als erstes kann es schon helfen, den Funkverkehr auf einen anderen Kanal umzustellen. Das muss in der Konfiguration des Routers (Access-Points) geschehen. Welche Kanäle in Ihrem Umfeld nicht oder wenig genutzt werden, können Sie wieder mit einem Wifi-Analyzer für das Smartphone herausfinden.

Findet sich hier kein freies Plätzchen mehr, sollte man nach Möglichkeit auf das 5 GHz Netzwerk ausweichen. Einerseits hat man den Vorteil, dass sich die meisten anderen Teilnehmer im 2.4 GHz Netzwerk tummeln, andererseits ist die Reichweite vom 5 GHz Netzwerk deutlich geringer. Damit kommen auch weniger Störsignale von anderen Routern an. Nachteil – auch die eigene Reichweite sinkt deutlich und kann wiederum zu Verbindungsproblemen führen.

Wer braucht heute noch Drucker?

Vieles geht über E-Mail, aber in vielen Haushalten hat ein Drucker immer noch seinen fixen und berechtigten Platz.

Streikt der Drucker, gilt auch hier das erste Augenmerk auf die Verkabelung. Ist der Drucker mit Strom versorgt und mit dem Computer verbunden (USB-Kabel), gibt er zumeist die entsprechende Fehlermeldung direkt am Display des Druckers aus.

Oder am PC wird angezeigt, welches Wehwehchen den Drucker gerade quält. Leere Tintenbehälter oder ein Blatt Papier, das im Papiereinzug stecken geblieben ist, sind häufige Fehlerquellen. Gibt es keine Fehlermeldungen und der Druck wird zwar durchgeführt, ist aber unleserlich, tritt man diesem mit einer Düsenreinigung entgegen. Zumeist aktiviert man dies über den Treiber am Rechner oder direkt per Menü am Gerät selbst.

Funktioniert es dann immer noch nicht, überlässt man es wieder dem Fachmann. Wobei man bei diesen Drucker-Heimgeräten ganz ehrlich sagen muss. Ein finanzieller Aufwand zur Reparatur will gut überlegt sein. Zu billig sind die Geräte im Einkauf und für den Endkunden ist es meist rentabler, ein Neugerät zu kaufen. Leider geht dies zu Lasten der Umwelt, weshalb schon viele auf diese Geräte verzichten.

Eingetrocknete Tinte ist ebenfalls ein sehr häufiges Problem, dem nicht immer einfach beizukommen ist. Ist in den Druckerpatronen auch der Druckkopf integriert, kann man das Problem durch Austausch der Patronen leicht selber lösen. Einen separaten Druckkopf zu kaufen kann allerdings unter Umständen schon deutlich teurer sein, als eine komplette Neuanschaffung eines Druckers.

Mit diesen einfachen Tipps können Sie in der Regeln schon eine Menge an Problemen selbst erkennen und sogar selber lösen. In jedem Fall nehmen Sie der IT-Abteilung schon ein paar grundlegende Arbeiten ab.

Denn auch der IT-Profi wird sich zuallererst mit den häufigsten Problemen befassen und sich fragen „Ja ist da denn auch Strom drin…?“