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Stromsparen ist wichtig

Di, 16. Februar 2021

Nur der Umwelt zuliebe?

Stromsparen ist wichtig. Nicht nur seit sich junge Aktivisten auf die Straße begeben, ist die unnötige Energievergeudung ein brisantes Thema. Die einen gehen auf die Straße, andere verfolgen es still und leise am heimischen Flachbildschirm.

Richtig interessant wird das Thema aber für viele, wenn es um die eigene Geldbörse geht. Unnötig Energie verbraten, jährlich dreistellige Eurobeträge zu viel an das örtliche Energieversorgungsunternehmen zahlen?

Sagen wir mal so – wir haben es oft selbst in der Hand. Oft fehlt es einfach nur an den Informationen, wo Potential vorhanden ist und wo nicht.

Geld sparen ist nicht gleich Energiesparen

Es gibt sie. Die rigorosen Steckerzieher und Steckdosenleistenausschalter, die nach getaner Arbeit ihr Equipment komplett stromlos machen. Hier funktioniert das Stromsparen am besten, denn „wo kein Kabel, da kein Stromverbrauch!“

Es gibt allerdings auch Ausnahmen, wo Stecker ziehen kontraproduktiv ist. Bei einem Kühl- oder Gefrierschrank steht die Stromersparnis in keinem Verhältnis zum täglichen Neukauf der Lebensmittel, die darin aufbewahrt wurden.

Zu krasses Beispiel?

Ok, wie wäre es mit dem Tintenstrahldrucker.

Ständiges Ausstecken eines Tintenstrahldruckers kann ganz schön teuer werden. Denn während man sich die paar Watt im Standby-Modus spart, nimmt sich der Drucker bei jedem erneuten Einstecken einen gehörigen Schluck der teuren Tinte zur Reinigung der Druckdüsen. Und dabei wird vom Drucker nicht gegeizt. Lassen Sie also den Tintenstrahldrucker ruhig im Standby, mit einem Verbrauch von 2-4 Watt entstehen jährliche Kosten von unter 5 Euro. Kein Vergleich zum Tintenpack für 60 Euro, den man dann gleich mehrmals erwerben darf. Kein Strom gespart, aber dafür bares Geld.

Laserdrucker sind für höhere Druckvolumen gut geeignet. Wer allerdings immer nur einzelne Seiten ausdruckt, hat hier einen recht hohen Energieverbrauch. Immerhin muss vor dem Druck die Fixiereinheit des Druckers auf Temperaturen bis 200 Grad gebracht werden, bevor der Druckauftrag begonnen werden kann. Der Hauptvorteil für den Heimgebrauch ist aber, dass der Toner nicht eintrocknet und ein Laserdrucker so auch nach einem halben Jahr sofort wieder sauber druckt.

Tipp: Wenn möglich, lassen Sie so viele Druckaufträge wie möglich zusammenkommen und drucken dann alles auf einmal.

Der Computer und das Notebook

Beide Geräte sind vom Prinzip her genau das Gleiche. Und dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich um ein Windows-Gerät oder eines mit iOS handelt. Der Hauptunterschied liegt beim Notebook im integrierten Bildschirm. Die verbauten Komponenten sind beim Notebook aber sehr auf energieeffiziente Nutzung ausgelegt. Der Prozessor leistet meist deutlich weniger als sein Desktop-Pendant. Auch Grafikkarten können im Notebook aufgrund von Leistungsaufnahme und Hitzeentwicklung nur als abgespeckte Versionen verbaut werden.

Daher brauchen Notebooks wesentlich weniger Energie als ein großer Desktop-PC. Immerhin liegt das Hauptaugenmerk eines mobilen Gerätes eben auf Mobilität und möglichst langer Akkulaufzeit.

Von den Notebooks wurden aber auch auf dem PC immer und immer mehr Funktionen mit Stromspareffekten übernommen. Moderne Prozessoren und auch Grafikkarten fahren automatisch die Taktfrequenz und somit den Stromverbrauch deutlich nach unten. Sofern man dies dem Betriebssystem erlaubt.

Wer seine Einstellungen auf Höchstleistung oder gar im Modus „Ultimative Leistung“ betreibt, verbrät auch bei ungenutzter Leistung viel Energie umsonst.

Stellen Sie unter den Energieoptionen zumindest auf „ausbalanciert“. So sollten auch keine Probleme mit USB-Ports oder Netzwerkkarten auftreten, die ungewollt in einen Stromsparmodus verfallen und Geräte abhängen oder sich vom Netzwerk trennen.

Bei Notebooks gibt es zumeist auch von den Herstellern vorinstallierte Tools, die individuell zum Gerät passend die Energiesparoptionen anpassen.

Monitor(e)

Ganz wichtige Erkenntnis – je größer der Monitor, umso höher der Stromverbrauch. Das ist bei vergleichbaren Technologien immer und überall der Fall.

Das ist auch logisch, denn je mehr Fläche beleuchtet werden muss, umso mehr Energie muss für die dahinter liegenden LEDs bereitgestellt werden.

Nahezu jeder moderne Monitor kann über das Menü in einen oder mehreren ECO-Modi versetzt werden. Primär wird hier die Helligkeit abgesenkt und damit der Stromverbrauch deutlich reduziert.

Eine kleine Rechnung mittels Selbsttest

Bei meinem Haupt-Monitor (Samsung 34 Zoll im 21:9-Format, VA-Panel und relativ sparsam) steht ein Verbrauch von 50Watt auf meinem Energie-Messgerät von Brennenstuhl. Das ist jetzt kein professionelles Instrument, für einen kleinen Test zur Überprüfung aber sehr brauchbar. Die Helligkeitseinstellungen wurden über das Monitor-Menü eingestellt und dann der Verbrauch auf der Anzeige des Messgerätes abgelesen.

Achtung – je älter ein Monitor ist, umso höher kann der Verbrauch von diesem Beispiel abweichen. Geräte mit 100 Watt und mehr versehen gerade in privaten Bereichen noch gerne ihre Dienste.

Helligkeit 100% 50 Watt/h
Helligkeit 50% 34 Watt/h
Helligkeit 0% 22 Watt/h

Der Verbrauch wird von strahlenden 100% bei tollen Farben und 50 Watt auf gut sichtbares, aber fades Bild bei 0% Helligkeit um sage und schreibe mehr als 50% reduziert.

Bei einem Winterschlussverkauf rennt man dafür den Geschäften die Bude ein.

50% weniger Verbrauch – rechnen wir mal kurz durch.

Home-Office 9h am Tag (8h Arbeitszeit, eine Stunde Mittagspause), am Abend lassen wir noch 1h den Rechner für Internet, Social Media und Sonstiges laufen. Am Wochenende lassen wir den PC größtenteils aus und begeben uns Samstag und Sonntag jeweils nur 2h ins Internet. Macht pro Woche summa summarum 54 Stunden Betriebsdauer des Monitors, das sind durchschnittlich am Tag ca. 7,7h.

Rechnen wir einfachheitshalber mit 8 Stunden, so verbraucht der Monitor pro Tag 400 Watt. Auf das Jahr gerechnet sind das 400×365, das sind 146.000 Watt/h oder eben 146KW/h. Bei einem Strompreis von durchschnittlich 30 Eurocent ergibt das nach Adam Ries(e) 43 Euro und 80 Cent. Wohlgemerkt nur für den Monitor.

Reduziert man die Helligkeit auf 50% (34 Watt/h), sind es pro Tag nur mehr 272 Watt/h, im Jahr 99,28 KW/h und somit 29,78 Euro.

Und bei faden, aber immer noch gut lesbaren 0% Helligkeit kommen wir auf 64,24 KW/h und 19,27 Euro.

Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen, während wir schon mal den zweiten Monitor ausschalten, weil wir ihn gerade nicht brauchen.

Da klingen doch die 3-4 Euro im Jahr für den Drucker im Standby wie ein Sonderangebot.

Aus diversen Fachzeitschriften oder Internetportalen (die hier gesichteten Daten findet man zum Beispiel auf www.computerbase.de), die auch professionelle Verbrauchsmessungen mit Grafikkarten, CPUs und Komplettrechnern durchführen, reicht die Verbrauchs-Skala im Windows Leerlauf von ca. 40 bis 60 Watt Leistungsaufnahme, je nach eingesetztem Prozessor. Bei Teillast stehen dann schon mindestens 60 bis 100 Watt auf der Skala, bei Volllast sprengen wir hier auch die 300 Watt Grenze. Diese Tests belasteten aber nur den Prozessor, Grafikkarten mit Höchstleistungschips „verbrennen“ oft locker das Gleiche nochmal zusätzlich.

Ein normaler Office-PC sollte jedoch im Schnitt mit deutlich unter 100 Watt auskommen. Siedeln wir ihn hypothetisch im Durchschnitt bei 75 Watt an, kommen wir bei diesem Gerät auf einen Jahresverbrauch von 219 KW/h oder um es schmerzlicher darzustellen – auf 65,70 Euro pro Jahr.

Und damit das wirklich Spaß macht, summieren wir mal alle Summen, die wir im Home-Office neuerdings regelmäßig verbraten:

PC – 65,70 €, Monitor 43,80 €, Monitor zwei 43,80 € und Drucker 4 Euro.

Ergibt 157 Euro und 30 Cent.

Ein Notebook ist viel günstiger im Betrieb?

Aber ja, rechnet man hier mit ca. 25 Watt für ein durchschnittliches Notebook (Ultrabooks, also sehr dünne und leistungsreduzierte Geräte kommen auch auf unter 10 Watt), sind die Kosten im Vergleich zum PC mit Monitor deutlich geringer. Wer allerdings Dockingstation und zwei Monitore betreibt, spart im Vergleich dazu nicht die große Summe ein.

Wer im Home-Office also Geld sparen will, kommt um eine intelligente Nutzung von Geräten kaum herum. Wer zeitweise den zweiten Monitor ausschalten kann, spart mehr Geld, als man durch Stromsparmaßnahmen erreichen kann. Wer nicht jedes Dokument auf seinem Laserdrucker ausdruckt, sondern auf dem Monitor anzeigt, spart ebenfalls gerade beim Laserdrucker zusätzliche Kosten.

Daher unsere Empfehlungen:

  1. Nutzen Sie die Energiespareinstellungen der Geräte. Oft sind viele Einstellungsmöglichkeiten bereits vordefiniert und können sehr schnell ein- und auch wieder zurückgestellt werden.
  2. Verwenden Sie im Home-Office energiesparende Geräte. Wer seinen gesamten Arbeitsalltag mit einem Gaming-Boliden bewältigt, zahlt ordentlich drauf. Für das Home-Office, wo idealerweise nur RDP-Terminalsitzungen oder Cloud-Anwendungen laufen, reichen einfache Arbeitsplatzrechner vollkommen aus.
  3. Schalten Sie Geräte, mit Ausnahme von Tintenstrahldruckern und Kühlschränken, bei Nichtbenutzung komplett aus und ziehen den Stecker. Wunder erwarten darf man sich hier nicht, da der Standby-Zustand oftmals schon unter 1 Watt verbraucht. Aber wozu ein Watt verbrauchen, wenn man keinen Vorteil daraus zieht?
  4. Achtung: Windows fährt normalerweise nicht komplett herunter, sondern benutzt einen Schnellstart-Modus. Hier bleibt eine höhere Stromversorgung aufrecht, als dies beim kompletten Herunterfahren der Fall ist. Mit modernen SSDs dauert ein kompletter Systemstart kaum länger als ein Schnellstart. Drücken Sie dazu während des Klicks auf „Herunterfahren“ zusätzlich die Shift-Taste, dann fährt Windows das Gerät tatsächlich komplett herunter und schaltet aus.

Großes Sparpotential bieten auch Smartphones und Tablets an. Leider lassen sich nicht alle Aufgaben auf diesen Geräten erledigen, aber für einen E-Mail-Check oder ein paar spannende Stunden im Internet muss nicht immer der komplette PC eingeschaltet werden.

Kann man noch mehr sparen?

Ach ja, die Sache mit den LED-Leuchtmitteln müssen wir nicht mehr erläutern, oder? 8 Glühlampen a 60 Watt, die noch sehr viel häufiger vorhanden sind als man annehmen möchte, gegen 8 LED-Leuchtmittel mit je 6 Watt – wer da wohl die Nase vorne hat?