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Windows in der Cloud

Mi, 2. Juni 2021

Windows in der Cloud

Wenn die meisten Leute über die Cloud sprechen, meinen sie vor allem die Kommunikation und Datenspeicherung bei bestimmten Diensten. Oder nennen diverse Video- und Musikportale, die sie regelmäßig nutzen. Im Geschäftsbereich kennen viele auch den Begriff Azure. Bekannt sind hier vornehmlich die virtuellen Server oder diverse andere Dienste in der Cloud, die im Business-Bereich lokale Ressourcen abgelöst oder ergänzt haben.

Sehr viel weniger verbreitet ist das Wissen um den „Windows Virtual Desktop“, der ebenso wie auch die Windows Server in der Cloud verfügbar gemacht werden kann.

Der Nutzen eines virtuellen Desktops

In den Büros wird mit wenigen Ausnahmen meist immer noch mit Arbeitsplatzrechnern mit Windows gearbeitet. Das bedeutet, dass dort ein PC steht, der mit Festplatte bzw. mittlerweile mit SSDs ausgerüstet das Betriebssystem bootet und die dort installierten Programme ausführt. Der Vorteil davon ist die absolute Flexibilität, sowohl bei der Leistungsfähigkeit als auch bei den eingesetzten Programmen.

In größeren Netzwerken wird gerne mit einem Terminalserver gearbeitet. Die Oberfläche ähnelt zwar einem Windows Desktop Betriebssystem, aber egal, ob man über eine normale RDP-Sitzung oder gar über eine Citrix-Umgebung auf diese Server zugreift – es wird eine Serversitzung gestartet und der Bildschirminhalt praktisch zwischen Server und Client übertragen.

Im Einzelfall ist es dem Endanwender egal, denn vom Ablauf ähnelt es sich sehr. Für die Administration allerdings sind Terminalserver in den meisten Fällen eine große Erleichterung, sowohl bei der Administration als auch bei der Bereitstellung von Programmen. Diese müssen nämlich nur einmal installiert werden und stehen dann allen Usern zur Verfügung.

Was im ersten Moment als ein einziger großer Vorteil erscheint, hat aber auch Nachteile. Zum einen läuft nicht jede beliebige Software in einer Terminalserver-Umgebung. Hat man mit Microsoft-Produkten noch relativ wenig bis keine Probleme, diese am Terminalserver zum Laufen zu bringen, kann es gerade bei spezieller Software zu Komplikationen kommen. Im schlimmsten Fall lässt das Programm das Aufrufen gar nicht zu oder es kommt zu unvorhersehbaren Fehlern.

Zum anderen benötigt man meist spezielle Lizenzierungsformen, um die Software lizenzrechtlich betreiben zu dürfen. Denn nur, weil etwas funktioniert, heißt das nicht, dass es so korrekt den Vertragsbedingungen entspricht. Wer schon einmal eine Schulung für Microsoft Lizenzierungen hinter sich gebracht hat, weiß, wovon ich spreche.

Lange Rede – kurzer Sinn. Spielt die benötigte Software nicht mit und lässt sich nicht dazu zu bewegen, korrekt lizenziert und fehlerfrei auf dem Terminalserver zur Verfügung gestellt zu werden, beginnt der Mischbetrieb im IT-Netzwerk. Einige nutzen den Terminalserver, andere müssen lokal arbeiten. Das führt dann wieder zu einem deutlichen Mehraufwand bei der Betreuung.

Ein weiterer Nachteil, sowohl im Terminalserverbereich als auch beim herkömmlichen Desktop-Rechner – man kauft von Beginn an mehr Leistung, als man im Regelbetrieb benötigt. Auch wenn der Client bei einem Terminalserver relativ klein gehalten werden kann und noch nicht mal ein Windows als Gast-Betriebssystem benötigt – der Server muss genug RAM und Festplattenkapazität haben, um genügend Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Und wer sich den Endpreis eines voll ausgestatteten Mittelklasse-Servers mal angeschaut hat, der weiß, dass RAM, Festplatten und die damit einhergehende Datensicherung eine enorme finanzielle Belastung sind. Zusätzlich bedürfen diese dann alle paar Jahre einer umfassenden Erneuerung.

Es war nicht alles schlecht!

Aber es gab eben auf beiden Seiten unterschiedliche Probleme und Lösungen. Power-User nutzten aufgemotzte PCs mit überdurchschnittlich viel RAM, CPU-Power und Grafikleistung für bestimmte Bereiche.

Microsoft bietet uns jetzt aber den Windows Virtual Desktop an, mit dem beide Welten vereint werden sollen.

Im Prinzip haben wir einen virtuellen Server in Azure stehen, der uns das Windows 10 Betriebssystem von einem Image in einer virtuellen Umgebung startet. Die IT-Administration erstellt ein sogenanntes „Golden Image“, auf dem Betriebssystem und sämtliche Software vorinstalliert sind. Dieses Image lässt sich dann beliebig vervielfältigen und starten.

Welchen Vorteil haben wir als User? Das virtuelle Windows 10 läuft nicht auf unserer Hardware, sondern auf den Microsoft Azure Servern in der Cloud. Wir verbinden uns mittels einer RDP-Verbindung (RDP=Remote Desktop Protocoll) und haben tatsächlich ein richtiges Windows 10 zum Arbeiten.

Einer von etlichen anderen Vorteilen ist der, dass ich auf dieses Windows mit einem beliebigen Gerät zugreifen kann. Arbeitet man auf einem großen Tablet, verbindet man sich einfach mit der virtuellen Windows-Umgebung. Das kann ebenso auf einem Notebook oder auch von einem Smartphone aus passieren.

Für die Administration wird es leichter, da sich dieses virtuelle Windows wie ein normaler Rechner verhält. Somit kann jede Software, die unter Windows 10 läuft, auch installiert werden.

Wie hoch ist die Systemleistung?

Das ist eine spannende Frage. Bei einem normalen PC oder Server müssen wir uns schon vor dem eigentlichen Kauf Gedanken machen, wie viel Rechenpower und Speicher wir wohl benötigen. Beim Windows Virtual Desktop sind wir äußerst flexibel, weil wir ohne Probleme Leistung und Speicherplatz erhöhen können. Und das individuell für jeden User. Benötigt jemand viel Speicher, wird diese virtuelle Umgebung entsprechend konfiguriert. Wird die Mehrleistung nicht dauerhaft benötigt, kann diese flexibel wieder reduziert werden.

So erhalten Poweruser jederzeit ausreichend Leistung, während Normal-User über eine ausreichende Office-Performance verfügen. Steigen die Anforderungen von der eingesetzten Software, lässt sich hier leicht für die Betroffenen Instanzen eine Anpassung vornehmen. Jederzeit und unkompliziert.

Ein Vorteil nebenbei sei auch noch angemerkt. Es müssen auch nach einigen Jahren keine neuen Arbeitsplatzrechner angeschafft werden. Microsoft erneuert im Hintergrund ständig die Serversysteme und teilt den virtuellen Rechnern im Laufe der Jahre immer die neuesten Technologien zu. Weder die Administration noch die User bemerken den ständig laufenden Austausch.

Professionell geplante Cloudstrategie

Windows Virtual Desktop ist für Unternehmen mindestens eine tolle Ergänzung, für viele Arbeitsplätze vielleicht sogar die Endlösung, um Vor-Ort- und Home-Office unter einen Hut zu bringen. Und im Zuge einer professionellen Cloud-Strategie werden auch Azure und der virtuelle Desktop garantiert ein Thema sein.