- Von zehn Modulen sind zwei eingestellt, eines herausgelöst und eines wird gerade umbenannt. Die Viva-Marke schrumpft.
- Sieben Module bleiben, aber nicht alle lohnen sich gleich. Connections, Glint und Insights bringen am meisten, weil sie konkrete Probleme im M365-Ökosystem lösen. Engage entwickelt sich zum Kommunikations-Hub in Teams. Amplify, Learning und Pulse sind je nach Situation nützlich, aber kein Selbstläufer.
- Die Zukunft heißt Copilot, nicht Viva. Microsoft baut Copilot zum zentralen Interface für Employee Experience aus – von KI-gestützten Survey-Zusammenfassungen über den Employee Feedback Agent bis zur Verschmelzung von Insights und Copilot Dashboard. Plant eure Viva-Investitionen mit Blick auf diese Entwicklung.

Microsoft Viva sollte die Zukunft der Employee Experience werden. Angekündigt im Februar 2021, mit großen Versprechen und einem Lineup, das ständig wuchs. Fünf Jahre später ist die Lage unübersichtlich: Zwei Module wurden eingestellt, eines umbenannt und aus der Suite gelöst, und vom Rest hört man immer weniger. Selbst für IT-Profis ist kaum noch klar, was es gibt, was weg ist und was sich wirklich lohnt.
Wenn ihr euch in den letzten Monaten gefragt habt, ob Viva noch eine Rolle in eurer M365-Strategie spielen sollte – willkommen im Club. In diesem Beitrag arbeiten wir die komplette Geschichte auf: Was ist passiert, was gibt es noch, und wo lohnt sich der Einsatz wirklich?
Der große Plan: Viva als Employee Experience Platform
Im Februar 2021 stellte Microsoft eine Vision vor, die ambitioniert klang: Eine integrierte Employee Experience Platform, direkt eingebettet in Microsoft Teams und Microsoft 365. Keine neue App, kein neuer Login – sondern eine Erweiterung des bestehenden Ökosystems um Themen wie Wohlbefinden, Lernen, Wissensmanagement und Kommunikation.
Zum Start umfasste die Viva Suite vier Module. Viva Connections brachte das Unternehmens-Intranet in Teams. Viva Insights lieferte datenbasierte Empfehlungen zu Produktivität und Work-Life-Balance. Viva Learning aggregierte Lerninhalte aus verschiedenen Quellen an einem zentralen Ort. Und Viva Topics nutzte KI, um Wissen in der Organisation automatisch zu identifizieren, zu kategorisieren und in Kontexten wie SharePoint, Teams und Outlook einzublenden.
Die Idee war klar: Die Employee Experience sollte kein Nebenschauplatz mehr sein, sondern direkt dort stattfinden, wo Mitarbeitende ohnehin arbeiten. Microsoft wollte mit Viva Plattformen wie Qualtrics und Limeade Konkurrenz machen – nur eben tief integriert ins eigene Ökosystem.
In den folgenden zwei Jahren baute Microsoft die Suite aggressiv aus. Im Oktober 2021 wurde Ally.io übernommen und als Viva Goals in die Familie integriert – ein OKR-Tool für strategische Zielsetzung. Im Juni 2022 folgte Viva Sales als erstes rollenbasiertes Modul, speziell für Vertriebsteams. Im Februar 2023 wurde Yammer offiziell zu Viva Engage – die Enterprise-Social-Plattform war zwar längst Teil des M365-Ökosystems, wurde aber jetzt auch unter die Viva-Marke gezogen. Im April 2023 stellte Microsoft auf dem Viva Summit Copilot in Viva vor und integrierte Viva Glint (Mitarbeiterbefragungen, übernommen von LinkedIn) offiziell in die Suite. Mitte 2023 erreichte Viva Pulse (Team-Feedback für Führungskräfte) die allgemeine Verfügbarkeit, im Oktober folgte Viva Amplify (Multi-Channel-Kommunikation).
Auf dem Höhepunkt umfasste die Viva Suite damit zehn Module – Connections, Insights, Learning, Topics, Goals, Engage, Sales, Glint, Pulse und Amplify – plus Copilot-Integration. Dazu kamen Nebenentwicklungen wie Answers in Viva (ein Q&A-Feature innerhalb von Engage) und Skills in Viva (KI-gestütztes Skill-Mapping, angekündigt im Oktober 2023), die nie zu eigenständigen Modulen wurden, aber die Breite des Anspruchs zeigen. Im Oktober 2023 sprach Microsoft von 35 Millionen monatlich aktiven Nutzern. Klingt nach viel, wurde aber nie auf einzelne Module heruntergebrochen. Und wer bedenkt, dass Viva Engage über Teams-Integrationen quasi automatisch Nutzerzahlen sammelt, relativiert die Zahl schnell.
Was ist passiert? Zwei Einstellungen und ein Rebranding
Was folgte, war eine Reihe von Entscheidungen, die das Vertrauen in die Suite ordentlich angekratzt haben.
Viva Sales wird zu Copilot for Sales
Den Anfang machte Viva Sales im Juli 2023 – keine neun Monate nach dem GA-Release im Oktober 2022. Das Modul wurde in "Microsoft Sales Copilot" umbenannt und aus der Viva-Branding-Familie herausgelöst. Später wurde es nochmals zu "Copilot for Sales" umbenannt. Funktional änderte sich für bestehende Kunden nichts, aber die Richtung war klar: Die Copilot-Marke war Microsoft wichtiger als die Viva-Marke. Was als erstes rollenbasiertes Viva-Modul gestartet war, wurde zum Copilot-Add-on für Dynamics 365 und Salesforce.
Das war ein frühes Warnsignal. Wenn Microsoft selbst sein Vorzeige-Modul lieber unter einem anderen Dach verkauft – wie viel Gewicht hat die Employee Experience Platform dann noch intern?
Viva Topics: Die erste Einstellung
Im Februar 2024 kündigte Microsoft an, Viva Topics zum 22. Februar 2025 einzustellen. Topics war Teil der ursprünglichen Viva-Vision und basierte auf "Project Cortex", das Microsoft bereits 2019 auf der Ignite vorgestellt hatte. Das Modul nutzte KI und Natural Language Processing, um Wissen in der Organisation automatisch zu erkennen und über Topic Cards in SharePoint, Teams und Outlook einzublenden.
Als Grund nannte Microsoft den "generationalen Wandel in der KI-Technologie" – gemeint war: Copilot macht das jetzt. Die offizielle Empfehlung lautete, auf SharePoint-Seiten und Microsoft 365 Copilot umzusteigen. Für Organisationen, die ihre Wissensstrategie auf Topics aufgebaut hatten, war das frustrierend. Topic Pages wurden zu normalen SharePoint-Seiten konvertiert, die KI-gestützte Anreicherung entfiel komplett, und die automatische Einblendung von Topics quer durch die M365-Suite wurde abgeschaltet.
Die ehrliche Einordnung: Viva Topics hatte nie sein volles Potenzial entfaltet. Skalierungsprobleme, eingeschränkte Integrationsmöglichkeiten und kompliziertes Berechtigungsmanagement hatten die Adoption von Anfang an gebremst. Die Einstellung war trotzdem überraschend – nicht weil das Produkt perfekt war, sondern weil Microsoft keinen echten Ersatz anbot. Im Grunde hieß es: Kauft euch Copilot-Lizenzen für knapp 30 Euro pro Nutzer und Monat, dann erledigt sich das von selbst.
Viva Goals: Der zweite Abgang
Am 5. Dezember 2024 kam dann die nächste schlechte Nachricht. Per Message Center Post MC949603 kündigte Microsoft an, Viva Goals zum 31. Dezember 2025 einzustellen. Ab sofort: Feature Freeze – keine neuen Funktionen mehr, keine Design Change Requests.
Viva Goals war erst im August 2022 allgemein verfügbar geworden, basierend auf der Ally.io-Übernahme aus dem Vorjahr. Microsoft räumte offen ein, dass einfach nicht genug Kunden das Tool nutzten. OKRs in einer Organisation einzuführen ist eben deutlich schwieriger als eine App auszurollen – es braucht Rückhalt von der Geschäftsführung, kulturellen Wandel und jemanden, der das Thema dauerhaft vorantreibt. Das unterschätzt zu haben, war weniger ein Produktproblem als ein Go-to-Market-Problem.
Anders als bei Topics gab es für Viva Goals nicht einmal eine hauseigene Alternative. Microsoft verwies stattdessen auf Drittanbieter-OKR-Tools und versprach, Partnerschaften für eine Migration zu ermöglichen. Seit dem 31. Dezember 2025 sind sowohl die Web-App als auch die Teams-App abgeschaltet.
Was ist noch da? Die sieben verbleibenden Module
Stand Mai 2026 umfasst die Viva Suite noch sieben Module, die Microsoft in drei Lizenz-Bundles und einem Gesamtpaket anbietet.
Viva Connections – Das Intranet in Teams (bald: SharePoint App)
Viva Connections bringt euer SharePoint-Intranet als App in Microsoft Teams. Mitarbeitende sehen dort ein personalisiertes Dashboard mit News, Ressourcen und Schnellzugriff auf relevante Inhalte. Es ist das Viva-Modul mit der breitesten Verfügbarkeit, denn Basisfeatures sind in vielen M365- und Office-365-Plänen enthalten, die SharePoint und Teams mitbringen. Wichtig zu wissen: Microsoft hat im Mai 2026 angekündigt, dass Viva Connections in "SharePoint App in Teams" umbenannt wird – ein weiteres Modul, das die Viva-Marke verliert.

Was es kann: Personalisierter News-Feed, Dashboard mit Adaptive Cards, Integration von Drittanbieter-Apps, mobile Nutzung, neue Resources- und Announcements-Webparts. Seit Anfang 2026 hat Microsoft die Admin-Kontrolle über die Connections-Experience spürbar verbessert – ein Bereich, der seit dem Launch überfällig war.
Für wen sinnvoll: Für praktisch jede Organisation, die ein Intranet betreibt und Teams als primäre Arbeitsumgebung nutzt. Connections ist das unauffälligste Viva-Modul, aber auch das nützlichste – weil es ein konkretes Problem löst, ohne dass sich Mitarbeitende umgewöhnen müssen. Die Umbenennung ändert an der Funktion nichts – aber sie zeigt, wohin die Reise geht. Auf unserem Youtube-Channel haben wir ein Tutorial dazu, wie ihr euer Intranet über Viva Connections in Teams einbindet.
Viva Engage – Enterprise Social, ehemals Yammer
Yammer wurde im Rahmen der Viva-Strategie zu Viva Engage umbenannt. DieIm Kern ist es geblieben, was es war: ein internes soziales Netzwerk mit Communities, persönlichen Feeds (Storylines) und einem Bereich für Führungskräfte-Kommunikation. Basis-Features sind in M365-Enterprise-Plänen enthalten, Premium-Funktionen erfordern eine Viva-Lizenz.
Was es kann: Communities mit Moderationsfunktionen, Storylines (persönlicher Feed à la LinkedIn), Leadership Corner, Artikel-Publishing, und seit 2026 auch Theme Moderation und tiefere Teams-Integration.
Für wen sinnvoll: Für größere Organisationen (ab ca. 500 Mitarbeitende), die interne Kommunikation über E-Mail und Teams-Chats hinaus strukturieren wollen. Engage lebt oder stirbt mit der Unternehmenskultur – wer es nicht aktiv pflegt und mit Führungskräfte-Engagement befüllt, hat einen weiteren Kanal, den niemand nutzt.
Viva Amplify – Corporate Communications Hub
Viva Amplify ermöglicht es, Unternehmenskommunikation zentral zu erstellen und über mehrere Kanäle gleichzeitig auszuspielen – SharePoint News, Viva Engage, E-Mail und Outlook. Kampagnen lassen sich bündeln und mit Metriken auswerten.
Was es kann: Multi-Channel-Publishing, Kampagnenmanagement, Schreib-Coach mit Readability Scores, Copilot-Integration für Entwürfe, Analytics über Reichweite und Engagement.
Für wen sinnvoll: Primär für Kommunikationsabteilungen und HR in mittleren bis großen Unternehmen. Wer regelmäßig interne Kampagnen fährt (Onboarding-Programme, Strategiekommunikation, Change-Projekte), profitiert von der zentralen Steuerung. Für kleinere Teams ist der Overhead oft zu groß.
Viva Learning – Lernen im Flow of Work
Viva Learning bündelt Lerninhalte aus verschiedenen Quellen (Microsoft Learn, LinkedIn Learning, Drittanbieter-LMS wie SAP SuccessFactors, Cornerstone, Skillsoft) an einem zentralen Ort in Teams. Basis-Features sind in M365-Plänen enthalten.
Was es kann: Zentrale Lernoberfläche in Teams, Integration von Drittanbieter-Content, personalisierte Empfehlungen, Zuweisungen durch Vorgesetzte, Tracking von Lernfortschritt.
Für wen sinnvoll: Der Nutzen steht und fällt mit dem vorhandenen Content. Wer bereits in LinkedIn Learning oder ein LMS investiert hat, bekommt mit Viva Learning einen brauchbaren Aggregator. Als alleinstehendes Lernwerkzeug ist es allerdings dünn – es ist eher ein Frontend als eine vollständige Lernplattform. Für Organisationen, die noch kein LMS haben und einen niedrigschwelligen Einstieg suchen, kann es trotzdem ein guter Startpunkt sein.
Viva Insights – Produktivität und Wohlbefinden
Viva Insights zeigt, wie in eurer Organisation gearbeitet wird – auf persönlicher, Team- und Organisationsebene. Persönliche Insights sind in den meisten M365-Plänen (ab E3) enthalten. Für die Premium-Features (Manager- und Org-Insights, Advanced Analytics) braucht ihr eine Viva-Insights-Lizenz als Add-on – oder eine Microsoft 365 Copilot-Lizenz, die die Viva-Insights-Berechtigung automatisch mitbringt.
Was es kann: Persönliche Fokuszeit- und Meetinganalysen, Manager-Dashboards, Organisationsweite Kollaborationsmuster, Copilot Dashboard mit Adoption-Metriken, Integration mit Viva Glint für korrelierte Auswertungen.
Für wen sinnvoll: Die persönlichen Insights sind für jeden Wissensarbeiter nützlich – und bereits inkludiert. Die Premium-Features richten sich eher an HR und die Geschäftsleitung in größeren Organisationen: Wie sieht unsere Meeting-Kultur tatsächlich aus? Wo entsteht Überlastung? Die Antworten kommen aus Daten, nicht aus Bauchgefühl. Spannend wird die wachsende Verknüpfung mit dem Copilot Dashboard, über das Organisationen die Copilot-Adoption messen können.
Viva Glint – Mitarbeiterbefragungen auf Enterprise-Niveau
Viva Glint kommt aus dem LinkedIn-Ökosystem und ist das umfangreichste Befragungstool in der Suite. Gedacht für HR und Führungsebene: Organisationsweite Engagement-Umfragen mit wissenschaftlich fundierten Fragen.

Was es kann: Lifecycle-Surveys, Engagement-Surveys, 360-Grad-Feedback, Copilot-gestützte Highlights ab 2026, Heatmaps und Trendanalysen, PowerPoint-Export, Integration mit Viva Insights. Lizenziert wird pro aktivem Nutzer über Viva Glint oder die Viva Suite – Details bei Microsoft.
Für wen sinnvoll: Für mittlere und große Unternehmen, die Employee Engagement systematisch messen und steuern wollen. Glint ist das Viva-Modul, bei dem am klarsten erkennbar ist, was es bringt – und es wird am aktivsten weiterentwickelt. Wer heute nach einer Engagement-Plattform sucht und bereits im M365-Ökosystem steckt, sollte Glint ernsthaft anschauen.
Viva Pulse – Quick Surveys für Teams und Projekte
Viva Pulse ergänzt Glint auf Team-Ebene. Führungskräfte und Projektleitende können schnelle, anonyme Umfragen an ihre direkten Teams senden – ohne HR-Overhead.
Was es kann: Wissenschaftlich fundierte Fragenbibliothek, Sentimentanalyse, Trendauswertung, flexible Endtermine (seit Ende 2025 auch offene Surveys ohne festes Ende), Copilot-Vorlagen zur Messung von KI-Adoption.
Für wen sinnvoll: Für Organisationen, die eine Feedback-Kultur etablieren wollen, ohne dafür ein Enterprise-Survey-Tool auszurollen. Pulse ist niedrigschwellig und richtet sich bewusst an die Teamleiter-Ebene – nicht an HR.
Die Lizenzierung: Drei Bundles und ein Gesamtpaket
Microsoft bietet Viva in drei thematischen Paketen an, die jeweils separat lizenziert werden können, oder als Viva Suite, die alles bündelt.
Viva Employee Communications & Communities umfasst Viva Connections, Viva Engage und Viva Amplify. Das Paket deckt interne Kommunikation und Community-Building ab.
Viva Workplace Analytics & Feedback umfasst Viva Insights, Viva Glint und Viva Pulse. Der Fokus liegt auf Produktivitätsdaten, Mitarbeiterbefragungen und Team-Feedback.
Viva Learning ist als Einzellizenz verfügbar.
Die Viva Suite kostet aktuell 10,40 € pro Nutzer und Monat (bei jährlicher Abrechnung) und enthält alle Module. Wichtig zu wissen: Einige Basisfeatures von Connections, Engage, Learning und Insights sind bereits in M365 E3/E5 enthalten – die Viva-Lizenz schaltet jeweils Premium-Funktionen frei.
Wichtig bei der Lizenzierung: Der Copilot-Einsatz in Viva ist differenzierter als man denkt. Copilot in Viva Glint (also die KI-gestützten Survey-Zusammenfassungen und Highlights) ist in der Glint- bzw. Viva-Suite-Lizenz bereits enthalten – hier braucht ihr keine separate Copilot-Lizenz. Auch das Copilot Dashboard in Viva Insights lässt sich ohne eigene Copilot-Lizenz einsehen, allerdings hängt die ausgewertete Population von der Anzahl der Copilot-lizenzierten Nutzer ab. Bei Viva Learning ist es gemischt: Die Copilot Academy ist für alle M365-Nutzer zugänglich, Admins können den Zugang optional auf Copilot-lizenzierte Nutzer beschränken. Klar ist es bei Copilot in Viva Engage – dafür braucht ihr eine Microsoft 365 Copilot-Lizenz (28,10 € pro Nutzer und Monat).
Ehrliche Einschätzung: Wo steht Viva Mitte 2026?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von ehemals zehn Modulen sind zwei eingestellt (Topics, Goals) und eines aus der Suite herausgelöst (Sales → Copilot for Sales) – und die verbleibenden sieben entwickeln sich ungleichmäßig. Wer die monatlichen Viva-Updates verfolgt, merkt schnell: Der Großteil der Aktivität konzentriert sich auf Viva Engage und Viva Glint. Bei den anderen Modulen wird es von Monat zu Monat ruhiger.
Das Grundproblem: Viva als einheitliche Employee Experience Platform hat nie wirklich gezündet. Microsoft hat versucht, völlig unterschiedliche Themen (Knowledge Management, OKR, Learning, Engagement, Wellbeing, Communication) unter einem Dach zu bündeln. Aber ein IT-Admin, der Connections evaluiert, hat andere Fragen als eine HR-Leiterin, die Glint einführen will, oder ein Vertriebsleiter, der mit Viva Sales arbeiten sollte. Die Module haben unterschiedliche Käufer, unterschiedliche Budgets und unterschiedliche Reifeanforderungen.
Was gut funktioniert: Die Module, die ein konkretes Problem für eine klare Zielgruppe lösen, halten sich. Viva Connections als Intranet-Integration. Viva Glint als Engagement-Plattform. Viva Insights als Analytics-Layer. Die drei stehen auch ohne den Viva-Überbau auf eigenen Beinen.
Was weniger funktioniert: Module, die in Konkurrenz zu etablierten Drittanbietern stehen (Learning gegen vollwertige LMS-Plattformen) oder deren Nutzen schwer vermittelbar ist (Amplify für Unternehmen, die keine dedizierten Kommunikationsabteilungen haben), tun sich schwer.
Und dann ist da noch Copilot – und SharePoint. Microsoft investiert massiv in die Copilot-Marke und -Plattform. Das Herauslösen von Viva Sales war ein frühes Signal, die Ablösung von Viva Topics durch Copilot ein weiteres. Und im Mai 2026 folgte der nächste Schritt: Viva Connections wird zu "SharePoint App in Teams" umbenannt. Die Viva-Marke verliert damit ein weiteres Modul – diesmal nicht an Copilot, sondern zurück an SharePoint. Die Frage ist nicht ob, sondern wie stark Copilot und die etablierten M365-Marken weitere Viva-Funktionen absorbieren werden. Die Insights-Funktionen verschmelzen bereits mit dem Copilot Dashboard, und die Glint-Copilot-Integration wird 2026 ausgebaut. Es ist gut möglich, dass Viva in zwei bis drei Jahren weniger als eigenständige Suite wahrgenommen wird und mehr als Feature-Set innerhalb der Copilot- und M365-Welt.
Ausblick: Wohin entwickelt sich Viva?
Wer die Roadmap und die monatlichen Updates verfolgt, sieht drei Entwicklungen, die sich klar abzeichnen.
Copilot wird zum Kern der Suite
Die auffälligste Entwicklung: Copilot zieht sich durch immer mehr Viva-Module. Seit März 2026 ist Copilot in Viva Glint standardmäßig aktiviert – die bisherigen internen Toggles wurden entfernt, die Steuerung läuft nur noch über das Viva Feature Access Management im M365 Admin Center. Im April 2026 wurden Copilot Highlights allgemein verfügbar: KI-generierte Zusammenfassungen von Survey-Ergebnissen, die Stärken, Handlungsfelder und Benchmark-Vergleiche auf einen Blick aufbereiten – mehrsprachig und ohne separate Copilot-Lizenz.
Gleichzeitig verschmelzen Viva Insights und das Copilot Dashboard immer stärker. Für Mai 2026 ist eine Private Preview angekündigt, die Workplace-Metriken aus Viva Insights direkt in Viva Glint Reports einfließen lässt. Heißt konkret: Umfrageergebnisse stehen nicht mehr für sich allein, sondern werden mit echten Arbeitsdaten wie Meeting-Last, Fokuszeit und Copilot-Nutzung verknüpft. Wenn Mitarbeitende in Surveys sagen "ich habe zu viele Meetings", zeigt Insights ob das stimmt – und wie es sich verändert.
Besonders spannend ist der Employee Feedback Agent, der sich laut der Viva Glint Roadmap vom März 2026 aktuell in einer geschlossenen Preview befindet (GA für Ende 2026 geplant). Statt klassischer Survey-Formulare soll dieser Copilot-gestützte Agent natürliche, chatbasierte Feedback-Gespräche ermöglichen – jederzeit verfügbar, nicht nur zu festen Survey-Zeitpunkten. Wenn das funktioniert wie gedacht, könnten die starren Befragungszyklen, die viele Unternehmen kennen, bald der Vergangenheit angehören.
Viva Engage wird zum Kommunikations-Hub in Teams
Viva Engage erfährt von allen Modulen aktuell die meisten funktionalen Updates. Communities werden seit Anfang 2026 schrittweise in Microsoft Teams integriert – seit Februar in der Public Preview, mit allgemeiner Verfügbarkeit für Sommer 2026 (Juni/Juli) angekündigt. Die Integration bringt synchronisierte Mitgliedschaften, Benachrichtigungen und die Möglichkeit, asynchrone Diskussionen und Leadership-Kommunikation dort zu führen, wo die Mitarbeitenden ohnehin arbeiten. Die Funktion ist standardmäßig für alle Tenants aktiviert und erfordert keine zusätzliche Lizenz.
Parallel dazu überarbeitet Microsoft das Event-Modell in Engage. Seit dem 4. Mai 2026 können keine neuen Live Events (basierend auf Teams Live Events) mehr geplant werden – bereits geplante Events werden noch bis Ende Februar 2027 unterstützt. An ihre Stelle treten Events auf Basis von Teams Town Halls, ergänzt um erweiterte Moderationsfunktionen, anonyme Fragen auf Web und Mobile sowie eine zentrale Event Landing Page. Das ist Teil einer größeren Konsolidierung der Teams-Eventformate.
Dazu kommen Features wie Theme Moderation (KI-gestützte Inhaltsfilterung), verbesserte Artikelerstellung mit Mehrspaltenlayouts und automatischem Inhaltsverzeichnis sowie Purview Sensitivity Labels für Engage Communities. Engage entwickelt sich damit von der Social-Plattform, die es unter dem Yammer-Namen war, zu einem echten Kommunikationswerkzeug für Unternehmen.
Connections verliert die Viva-Marke – Learning und Amplify stagnieren
Die vielleicht deutlichste Entwicklung: Im Mai 2026 kündigte Microsoft per Message Center Post MC1304293 an, dass Viva Connections in "SharePoint App in Teams" umbenannt wird. Funktional ändert sich wenig – neue Resources- und Announcements-Webparts kommen dazu, die Einrichtung über das SharePoint Admin Center wird vereinfacht. Aber symbolisch ist die Umbenennung ein starkes Signal: Nach Viva Sales (jetzt Copilot for Sales) ist Connections das zweite aktive Modul, das die Viva-Marke abstreift. Die App war ohnehin immer eher eine SharePoint-Erweiterung als ein eigenständiges Viva-Produkt.
Viva Learning und Viva Amplify erhalten kaum öffentlich sichtbare Updates. Das muss kein Warnsignal sein – beide bedienen Nischen (LMS-Aggregation bzw. Multi-Channel-Publishing), in denen nicht der gleiche Innovationsdruck herrscht wie bei Engagement-Plattformen. Ob Microsoft hier langfristig investiert oder irgendwann konsolidiert, lässt sich heute noch nicht sagen.
Drei Szenarien für die Zukunft
Wenn man die Entwicklungslinien hochrechnet, ergeben sich drei mögliche Szenarien für Viva in den nächsten zwei bis drei Jahren.
Szenario 1: Viva wird zum HR-Backend für Copilot. Die wahrscheinlichste Variante. Viva bleibt als Marke bestehen, aber die Nutzer-Experience verlagert sich zunehmend in Copilot. Glint liefert die Engagement-Daten, Insights die Produktivitätsdaten, Connections die Intranet-Inhalte – und Copilot ist die Oberfläche, über die Mitarbeitende und Führungskräfte damit interagieren. Viva wird zur Daten- und Konfigurationsschicht unter der Copilot-Haube.
Szenario 2: Weitere Konsolidierung. Module mit niedriger Adoption oder starker Überschneidung mit Copilot-Funktionen werden eingestellt oder zusammengelegt. Kandidaten wären Viva Learning (falls Copilot die Lernempfehlungen übernimmt) und Viva Amplify (falls SharePoint News und Copilot die Multi-Channel-Distribution abdecken). Nicht unmittelbar wahrscheinlich, aber nach den Erfahrungen mit Topics und Goals auch nicht auszuschließen.
Szenario 3: Viva stabilisiert sich als Nischen-Suite. Die verbleibenden sieben Module finden ihre Zielgruppen, Microsoft pflegt sie weiter, aber die große Plattform-Vision wird nicht mehr verfolgt. Viva wäre dann eine Sammlung guter, spezialisierter Tools – ohne den Anspruch, eine einheitliche Employee Experience zu definieren.
Realistisch wird es eine Mischung aus Szenario 1 und 2. Die Copilot-Integration wird der rote Faden sein, entlang dessen sich entscheidet, welche Viva-Module langfristig eigenständig bleiben und welche aufgehen.
Was heißt das für eure Strategie?
Nutzt, was bereits enthalten ist. Viva Connections, grundlegende Insights und Basis-Learning-Features sind in euren M365-Lizenzen enthalten. Es gibt keinen Grund, diese Funktionen brachliegen zu lassen. Richtet Connections ein, macht euer Intranet in Teams zugänglich, und nutzt die persönlichen Insights.
Evaluiert Glint und Pulse gezielt. Wenn ihr im Bereich Employee Engagement aktiv werden wollt und bereits im M365-Ökosystem seid, ist Glint eine starke Option – möglicherweise stärker als Standalone-Alternativen, weil die Integration in den Microsoft-Stack tiefer wird. Pulse ergänzt das sinnvoll auf Teamebene.
Seid vorsichtig mit der Viva Suite als Gesamtpaket. 10,40 € pro Nutzer und Monat für alle Module klingt attraktiv, aber die meisten Organisationen nutzen realistisch drei bis vier Module. Prüft, ob ein Bundle oder Einzellizenzen wirtschaftlicher sind.
Behaltet die Copilot-Entwicklung im Blick. Die langfristige Wette von Microsoft liegt auf Copilot, nicht auf Viva. Das heißt nicht, dass Viva morgen verschwindet – aber es heißt, dass ihr eure Employee-Experience-Strategie nicht rein auf Viva-Branding aufbauen solltet.
Denkt früh an Datenschutz und Mitbestimmung. Gerade für Unternehmen im DACH-Raum ist das ein Punkt, der oft zu spät auf den Tisch kommt. Viva Insights analysiert Arbeitsmuster und Kollaborationsdaten, Glint erhebt Stimmungsbilder, Pulse sammelt Team-Feedback, und das Copilot Dashboard misst KI-Nutzung. All das sind Themen, die Betriebsräte und Datenschutzbeauftragte auf den Plan rufen – und das zu Recht. Klärt vor dem Rollout, welche Daten erhoben werden, wer Zugriff hat, und wie die Ergebnisse aggregiert werden. Microsoft bietet zwar Privacy-by-Design-Features (z.B. Mindestgruppengrößen bei Insights, Anonymisierung bei Pulse), aber die Konfiguration und Abstimmung mit dem Betriebsrat liegt bei euch. Wer das ignoriert, hat hinterher ein Akzeptanzproblem, das kein Tooling der Welt löst.
Plant Exit-Szenarien. Viva Topics und Viva Goals haben gezeigt, dass Microsoft Produkte auch nach kurzer Lebensdauer einstellen kann. Für jedes Viva-Modul, das ihr einsetzt, solltet ihr wissen, wie ein Ausstieg oder eine Migration aussehen würde. Das gilt besonders für Module, bei denen die Adoption schleppend verläuft.
Fazit
Microsoft Viva ist nicht gescheitert – aber die große Vision einer einheitlichen Employee Experience Platform ist nicht aufgegangen. Was übrig bleibt, sind einzelne Tools mit sehr unterschiedlicher Qualität und Relevanz. Stark ist Viva dort, wo es konkrete Probleme im M365-Ökosystem löst: Intranet in Teams bringen, Produktivitätsmuster sichtbar machen, Mitarbeitende systematisch befragen.
Wer die richtigen Module rauspickt und gezielt einsetzt, hat etwas davon. Der Fehler wäre, die Suite als Ganzes zu kaufen und darauf zu hoffen, dass sich Adoption von allein ergibt. Besser: Einzelne Module an einem konkreten Problem testen, Erfahrungen sammeln, dann ausweiten.
Ihr wollt wissen, welche Viva-Module in eurer M365-Umgebung sinnvoll sind – und welche ihr euch sparen könnt? Meldet euch bei uns – wir schauen gemeinsam auf euren Tenant und eure Anforderungen.



