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Home-Office – Warum es einige richtig kalt erwischt hat

Di, 2. Februar 2021

Notebook, Internet, Wlan-Router und ab geht es ins Home-Office. Technisch und vor allem für einen kurzen Zeitraum sicher eine Notlösung. Es gibt aber auch Herausforderungen, die auch beim besten Willen nicht so einfach umzusetzen sind.

Der Fall „Server-Client“

Auch heute gibt es noch zahlreiche, vor allem kleinere Unternehmen, die auf das Server- Client-Prinzip setzen. Es ist relativ unkompliziert aufzubauen und liefert aufgrund der direkten Verbindung mit dem oder mehreren Servern und den Arbeitsplatzrechner eine sehr performante Leistung. Als Arbeitsrechner werden typischerweise PCs und Notebooks eingesetzt, Daten werden zentral auf einem Server gespeichert und auch täglich gesichert.

Ein besonderer Vorteil ist, dass auf den PCs jede Art von PC-Software läuft und man diese Geräte natürlich sehr individuell an die jeweiligen Anforderungen ausstatten kann. Ob man nun einen Videoschnittplatz mit extrem großen und schnellen Speicher ausstatten oder für komplizierte 3D-Modellierung zu einer speziellen Grafikkarte greifen muss – alles lässt sich leicht realisieren. Zudem ist die Rechenleistung nicht vom Server abhängig und die Kommunikation läuft über das schnelle interne Netzwerk.

Nicht für Remote-Sitzungen gemacht

Natürlich bezahlt man für diese Individualität und Performance einen Preis. Diese Geräte sind standardmäßig nicht remote nutzbar. Zwar gibt es die Möglichkeit, mittels RDP den Bildschirm entfernt zu steuern. Aber das führt dazu, dass der Computer Tag und Nacht eingeschaltet bleiben muss, um eine eingehende Verbindung zu akzeptieren. Bei Dutzenden von Computern in einem Unternehmen ist das kein guter Weg und hat nichts mehr mit Green-IT zu tun. Auch sollten in Büros solche Geräte nicht unbeaufsichtigt Tag und Nacht laufen, dafür sind diese Maschinen nicht zertifiziert.

Auch für das Homeoffice wird der Umzug aus den Büroräumlichkeiten (oder idealerweise die Mitnahme des Notebooks) ins heimatliche Wohnzimmer nicht den gewünschten Effekt erbringen. Funktioniert der Datenzugriff auf die SQL-Datenbank im Firmennetzwerk noch recht flott, wird man durch eine VPN-Verbindung schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Hier ist sowohl die eigene als auch die Internetleitung der Firma der bestimmende Faktor für die Geschwindigkeit.

Minuspunkte gibt es bei der Sicherheit, da ein PC oder Notebook der Gefahr von Trojaner und Viren ständig ausgesetzt ist. Und damit auch abhängig von dem davorsitzenden User und seiner Aufmerksamkeit.

Performance: ++
Anbindung zu Server: ++
Sicherheit: +o
Flexibilität: ++
Home-Office-Tauglichkeit:

Zum Glück gibt es Terminalserver

Eigentlich ist das Prinzip eines der ältesten in der Geschichte der IT. Man hat eine starke und zentrale Servereinheit auf der einen Seite und auf der anderen relativ „dumme“ Clients, die über eine Verkabelung verbunden sind.

Diese Geräte brauchen keine großartige Leistung. Heutzutage läuft auf diesen Geräten meist ein sehr eingeschränktes Linux-Derivat, das in der Regel nur eine Remote-Verbindung zu einer Terminalserver-Sitzung herstellt.

Einer der größten Vorteile besteht darin, dass die benötigte Software nur einmal zentral auf dem Terminalserver installiert und allen Clients in einer eigenen Sitzung zur Verfügung gestellt wird. Damit ist auch der Wartungs- und Betreuungsaufwand deutlich geringer als bei der Client-Server-Lösung. Schließlich muss Software, Updates und Patches nur auf einer Maschine installiert werden und nicht gleich auf 100. Einschränkungen gibt es hier allerdings bei der Individualisierung.

Beim Thema Homeoffice macht man sich mit einem Terminalserver das Leben schon sehr viel leichter. Mittels RDP-Zugang kann man auch von unterwegs oder eben im Homeoffice bereits arbeiten.

Notebooks oder PCs zu Hause müssen nur mit den RDP-Sitzungsdaten bzw. einer VPN-Software ausgestattet werden und schon kann man in seiner gewohnten Umgebung arbeiten. Da auch hier wieder nur eine Terminalsitzung aufgebaut wird, bei der nur Bildschirminhalte und Maus-/Tastatureingaben übermittelt werden, ist auch die Sicherheit sehr hoch. Spezielle Varianten wie z. B. eine Citrix-Lösung erhöhen nochmal den Komfort, sowohl für den Benutzer als auch für die Administration.

Gibt es auch Nachteile? Natürlich. Manch einer ahnt es, die meisten wissen es. Es wird definitiv nicht jede beliebige Software auf einem Terminalserver laufen. Gerade spezielle oder ältere Software kann unter Umständen so nicht bereitgestellt werden. Da diese speziellen Anforderungen meist nur von einem sehr kleinen Teil der Belegschaft benötigt wird, bleiben diese Anwendungen eben weiterhin auf einem lokalen PC. Und natürlich bedeutet die Einrichtung einer sicheren Verbindung eine ständige Administration dieser Kanäle.

Performance: o
Anbindung zu Server: ++
Sicherheit: ++
Flexibilität: o
Home-Office-Tauglichkeit: o (– bei Verwendung spezieller Rechner)

Der virtuelle Desktop

Mit dem Windows Virtual Desktop stellt Microsoft eine weitere Lösung zu Auswahl, bei dem viele der Vorteile von lokalen Windows-Rechnern und Terminalsitzungen vereint werden.

Der grobe Unterschied besteht darin, dass die Rechenleistung für den virtuellen Desktop wiederum von einem Server bereitgestellt wird. Ob man den virtuellen Client nun lieber im lokalen Netzwerk auf einem eigenen Server betreibt oder ihn zum Beispiel gleich direkt in Azure und ohne lokale Hardware ausführen möchte, ist eine Frage der Firmenstrategie und Ausrichtung zur Cloud.

In beiden Fällen aber wird wieder nur der Bildschirminhalt gespiegelt und Tastatur- und Mauseingaben verarbeitet. Vorteile bietet der virtuelle Desktop in vielerlei Hinsicht. So kann man tatsächlich wieder für jeden Benutzer oder Benutzergruppe eine individuelle Anpassung vornehmen. Software wird nur mehr für den ausgerollt, der sie auch braucht und muss nicht für alle im Unternehmen lizenziert werden. Auch für den Administrator wird es etwas leichter, denn er kann praktisch mit einem Master beliebig viele Klone erstellen und diese für Gruppen- oder einzelne Benutzeranforderungen beliebig anpassen.

Liegt der WVD (Windows Virtual Desktop) sogar direkt in der Microsoft Cloud (Azure), kann von internetfähigen Geräten eine Verbindung hergestellt und damit gearbeitet werden.

Je nach Anforderung und dem Fortschritt der Cloud-Strategie eines Unternehmens stellt sich die Frage, wo der WVD bereitgestellt wird. Sind die Datenbank- und Datenserver noch im lokalen Netzwerk, werden sicher auch die WVDs im internen Netzwerk betrieben, da auch diese einen schnellen Zugriff auf die Daten benötigen. Glücklicherweise ist ein späterer Umzug mit dem virtuellen Windows in die Cloud kein Problem.

Performance: +
Anbindung zu Server: ++
Sicherheit: +
Flexibilität: +
Home-Office-Tauglichkeit: ++

Das Home-Office-Optimum – Alles in der Cloud

Eine Cloud-Strategie für Unternehmen ist keine Sache, die in ein paar Tagen erledigt ist. Wo sich kleinere Unternehmen noch relativ leicht tun und ihre Business-Strategie schneller an die Cloud-Umstände anpassen können, vergehen bei anderen Unternehmen aufgrund von benötigter und systemrelevanter Software, wie zum Beispiel ERP-Systeme, nicht selten Jahre, bis es zu einer Ablöse kommen kann.

Trotzdem haben Unternehmen, die ihre ersten Schritte in die Cloud unternommen haben, gerade beim Thema Home-Office die Nase vorn.

Microsoft 365 (Office 365) in Verbindung mit OneDrive und Teams bilden eine solide Grundlage, um Mitarbeiter ins Home-Office zu verlegen. Nahezu alle Office-Anwendungen lassen sich uneingeschränkt über einen Webbrowser aufrufen und bedienen. Die Unterschiede zu den lokal installierten Versionen werden immer geringer.

Die Kommunikation erfolgt über Teams. Ob hier das Programm aus dem HO (Home-Office) aufgerufen wird oder im Firmennetzwerk, spielt auch keine Rolle. Kommuniziert wird hier immer über die Cloud.

Am ehesten gibt es noch ein leichtes Zwicken in der Magengegend, wenn es um die altbewährte Dateiablage im Netzwerk geht. Neuere Dokumente und Daten werden zwar oft schon in den neuen Strukturen von Teams (bzw. SharePoint Online im Hintergrund) gespeichert, jedoch hapert es oft noch am Umzug des alten Bestandes. Nicht, wie die Kapazitäten nicht ausreichen würden, sondern weil viele im Zuge der Cloud-Umstellung auch ihre alten Strukturen neu organisieren und aufbauen möchten. Das dauert natürlich.

Nichtsdestotrotz ist diese Variante die Home-Office-freundlichste von allen, vor allem in Verbindung mit Windows Virtual Desktop. Unabhängig vom Endgerät, Standort und Uhrzeit kann jeder auf seine Daten zugreifen. Durch die ausgeklügelten Sicherheits-Features der Microsoft Cloud schraubt man auch im Home-Office den Sicherheitslevel ganz nach oben und ist trotz der globalen Verfügbarkeit auf der sicheren Seite.

Performance: + bis ++
Anbindung zu Server: ++ (wenn alle Server auch in der Cloud sind)
Sicherheit: ++
Flexibilität: ++
Home-Office-Tauglichkeit: ++

Fazit:

Das Thema Home-Office wird für Viele auch nach den derzeitigen Umständen weiterhin ein Thema bleiben. Und die Cloud wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Leider ist nicht jedes Unternehmen auf diese Veränderungen vorbereitet. Der Weg in die Cloud ist sicher kein Spaziergang. Diese Reise muss sorgfältig geplant und vorbereitet und individuell mit den eigenen Anforderungen abgestimmt werden. Trotzdem beginnt auch die längste und schwierigste Reise immer mit dem ersten Schritt.
 
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