Das Wichtigste in Kürze:
- SharePoint Add-Ins und ACS werden am 2. April 2026 abgeschaltet – betroffen sind viele Integrationen und Add-Ons.
- SharePoint 2013 Workflows, isolierte Webparts und Legacy-Compliance-Funktionen funktionieren ab diesem Datum ebenfalls nicht mehr.
- Microsoft empfiehlt moderne Alternativen wie SPFx, Power Automate und Microsoft Purview.

Die digitale Arbeitswelt ist im ständigen Wandel, und Microsoft 365 bildet keine Ausnahme. Doch mit jeder technischen Weiterentwicklung müssen alte Zöpfe abgeschnitten werden. Viele von euch setzen in SharePoint Online noch immer auf vertraute Funktionen, die seit Jahren reibungslos laufen. Was passiert aber, wenn diese Bausteine plötzlich verschwinden? Genau das droht im April 2026: Fünf zentrale Features in SharePoint Online werden ersatzlos eingestellt. Wer hier nicht vorbereitet ist, riskiert Datenverlust, Funktionsstörungen und Compliance-Probleme.
In diesem Artikel zeigen wir euch, welche Funktionen betroffen sind, welche Risiken bestehen und welche Alternativen Microsoft bereitstellt. So könnt ihr eure Migrationsplanung frühzeitig und gezielt angehen.
Feature 1: SharePoint Add-Ins (App-Modell)
SharePoint Add-Ins waren lange Zeit das zentrale Erweiterungsmodell für SharePoint Online. Sie ermöglichten es, zusätzliche Funktionalität bereitzustellen oder externe Systeme anzubinden, ohne Code direkt in SharePoint auszuführen. Technisch basierten diese Lösungen auf dem Azure Access Control Service (ACS), der für Authentifizierung und Berechtigungen zuständig war. Dieses Architekturmodell unterscheidet sich grundlegend von heutigen, nativ in Microsoft 365 integrierten Erweiterungen.
Für neu erstellte Microsoft-365-Tenants ist das SharePoint Add-In-Modell seit November 2024 nicht mehr verfügbar. Bestehende Tenants konnten es zunächst weiter nutzen, allerdings ohne Weiterentwicklung. Die endgültige Abschaltung erfolgt am 2. April 2026. Ab diesem Zeitpunkt funktionieren installierte Add-Ins nicht mehr, da die zugrunde liegende Authentifizierungsinfrastruktur nicht länger betrieben wird.
Um festzustellen, ob ein Tenant betroffen ist, stellt Microsoft ein offizielles SharePoint Add-Ins & ACS Assessment Tool bereit. Mit diesem Tool lässt sich automatisiert prüfen, ob SharePoint Add-Ins oder ACS-abhängige Komponenten im Einsatz sind, inklusive detaillierter Berichte als Grundlage für die Migrationsplanung.
Als Ersatz empfiehlt Microsoft den Umstieg auf SharePoint Framework (SPFx) für clientseitige Erweiterungen sowie auf Azure-basierte Web-APIs mit Entra-ID-Authentifizierung für serverseitige Logik. Viele frühere Add-In-Szenarien lassen sich zudem vollständig durch Power Apps und Power Automate abbilden. Im zugehörigen Message Center Post beschreibt Microsoft auch, wie Add-Ins bereits vor dem Stichtag deaktiviert werden können.
Feature 2: Azure Access Control Service (ACS) für SharePoint Online
Der Azure Access Control Service war der zentrale Authentifizierungsmechanismus für SharePoint Add-Ins und andere sogenannte „app-only“-Zugriffe auf SharePoint Online. Er ermöglichte Anwendungen den Zugriff auf SharePoint ohne Benutzeranmeldung und bildete damit die technische Grundlage für viele Integrationen und Automatisierungen. In der Praxis ist ACS fast immer eng mit dem SharePoint Add-In-Modell verbunden.
Für neu erstellte Microsoft-365-Tenants ist ACS seit November 2024 nicht mehr verfügbar. Neue Tenants können keine ACS-basierte Authentifizierung mehr nutzen. Die endgültige Abschaltung erfolgt ebenfalls am 2. April 2026. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Authentifizierung über ACS nicht mehr möglich, wodurch alle davon abhängigen Anwendungen und Prozesse ihren Zugriff auf SharePoint Online verlieren.
Ob ein Tenant von dieser Abschaltung betroffen ist, lässt sich über dasselbe Assessment Tool feststellen, das bereits im Zusammenhang mit den SharePoint Add-Ins beschrieben wurde. Es identifiziert explizit ACS-abhängige Principals und macht damit sichtbar, welche Lösungen migriert werden müssen.
Als Ersatz setzt Microsoft vollständig auf Microsoft Entra ID und moderne OAuth-basierte Authentifizierung. App-only-Zugriffe werden künftig über Entra-ID-App-Registrierungen und Application Permissions umgesetzt, typischerweise in Kombination mit SPFx, Azure Functions oder Web-APIs. Für die Umstellung weg von SharePoint Add-Ins und ACS gibt Microsoft Tipps in der Dokumentation.
Feature 3: SharePoint 2013 Workflows
SharePoint 2013 Workflows waren über viele Jahre das Standardmittel, um Prozesse direkt in SharePoint Online zu automatisieren. Typische Anwendungsfälle waren Genehmigungen, Benachrichtigungen oder einfache Geschäftslogik, meist erstellt mit SharePoint Designer 2013. Dieses Workflow-Modell ist eng mit einer Technologie verknüpft, die seit Langem nicht mehr weiterentwickelt wird und nicht zur modernen Microsoft-365-Architektur passt.
Für neu erstellte Microsoft-365-Tenants sind SharePoint 2013 Workflows seit dem 2. April 2024 nicht mehr verfügbar. Bestehende Tenants können sie noch nutzen, allerdings nur befristet. Die endgültige Abschaltung erfolgt auch hier am 2. April 2026. Ab diesem Zeitpunkt wird die Workflow-Engine entfernt und bestehende Workflows werden nicht mehr ausgeführt.
Ob eine Umgebung betroffen ist, lässt sich ebenfalls über das bereits erwähnte Microsoft-365-Assessment Tool feststellen. Gerade bei älteren Sites ist diese Analyse wichtig, da Workflows oft unauffällig im Hintergrund laufen.
Als Nachfolger positioniert Microsoft klar Power Automate. Die Plattform deckt klassische SharePoint-Workflows ab, bietet aber zusätzlich deutlich mehr Integrationsmöglichkeiten, bessere Wartbarkeit und eine langfristig unterstützte Architektur. Für Organisationen ist der Wegfall der 2013-Workflows daher weniger ein Funktionsverlust als vielmehr ein notwendiger Schritt hin zu moderner Prozessautomatisierung. In der Microsoft-Dokumentation sind Hinweise zur Migration zu finden.
Feature 4: Isolierte Webparts (Domain Isolated Web Parts)
Isolierte Webparts waren eine spezielle Variante des SharePoint Framework, bei der Webparts in einem eigenen Domain-Kontext ausgeführt wurden. Ziel war eine stärkere sicherheitstechnische Trennung einzelner Lösungen, insbesondere im Zusammenhang mit API-Berechtigungen. Technisch wurden diese Webparts in einem separaten <iframe> geladen, was zwar zusätzliche Isolation ermöglichte, gleichzeitig aber auch Komplexität und Performance-Nachteile mit sich brachte.
Für neu erstellte Microsoft-365-Tenants sind isolierte Webparts seit dem 2. April 2025 nicht mehr verfügbar. Die vollständige Abschaltung für alle bestehenden Tenants erfolgt am 2. April 2026. Ab diesem Zeitpunkt werden isolierte Webparts in SharePoint Online nicht mehr geladen und funktionieren nicht mehr.
Der wichtigste Hinweis zur Erkennung findet sich im SharePoint Admin Center: Auf der Seite „API access“ werden isolierte Webparts explizit separat aufgeführt. Tauchen dort Einträge im Kontext isolierter Berechtigungen auf, ist das ein klarer Hinweis darauf, dass isolierte Webparts im Tenant installiert und genehmigt wurden. Diese Seite ist der schnellste und verlässlichste Einstiegspunkt, um die eigene Betroffenheit festzustellen. Ergänzend stellt Microsoft Skripte bereit, mit denen sich die Nutzung isolierter Webparts tenantweit detaillierter analysieren lässt. Weitere Informationen dazu sind in der zugehörigen Microsoft-Dokumentation zu finden.
Als empfohlene Alternative sollen betroffene Lösungen auf normale SPFx-Webparts umgestellt werden. Dazu wird die Domain-Isolation in der Lösung deaktiviert und das Paket neu bereitgestellt. Die benötigten Berechtigungen werden anschließend über das etablierte Entra-ID-basierte API-Berechtigungsmodell verwaltet. Microsoft verfolgt mit dieser Abschaltung das Ziel, SPFx zu vereinfachen und ein einheitliches Sicherheitsmodell ohne separate Isolationsdomänen durchzusetzen.
Feature 5: Legacy Compliance- und Records-Management-Funktionen
In SharePoint Online existierten lange Zeit mehrere site-basierte Compliance- und Records-Management-Funktionen, mit denen Organisationen Aufbewahrungs-, Klassifizierungs- und Löschregeln direkt auf einzelnen Sites umsetzen konnten. Dazu zählten unter anderem Information Management Policies, In-Place Records Management sowie einfache Lösch- und Site-Schließungsrichtlinien. Diese Funktionen waren historisch gewachsen und stark an klassische SharePoint-Site-Strukturen gebunden.
Für neuere Microsoft-365-Tenants spielen diese Features faktisch schon seit Jahren keine Rolle mehr, da Microsoft sie nicht weiterentwickelt und strategisch durch zentralisierte Governance-Ansätze ersetzt hat. Die Abschaltung für bestehende Tenants erfolgt auch bei diesen Funktionen im April 2026. Ab diesem Zeitpunkt werden die betroffenen Funktionen nicht mehr unterstützt und stehen in SharePoint Online nicht mehr zur Verfügung.
Ob eine Umgebung betroffen ist, lässt sich erkennen, wenn in SharePoint Online noch site-bezogene Aufbewahrungs- oder Records-Einstellungen konfiguriert sind, etwa auf Inhalts- oder Bibliotheksebene. Solche Konfigurationen müssen vor der Abschaltung identifiziert und bewertet werden, da Microsoft keine automatische Migration dieser Regeln vorsieht.
Als Nachfolger positioniert Microsoft konsequent Microsoft Purview Data Lifecycle Management und Microsoft Purview Records Management. Diese Lösungen lösen die alten Site-Policies ab und ermöglichen eine zentrale, dienstübergreifende Steuerung von Aufbewahrung, Löschung und Records-Management für SharePoint, OneDrive, Exchange und Teams. Hierfür stellt Microsoft auch Migrationsstrategien bereit. Der Wegfall der Legacy-Features ist damit Teil eines grundlegenden Wechsels von site-zentrierter zu plattformweiter Compliance-Governance.
Fazit: Handeln statt warten
Die Abschaltungen im April 2026 markieren einen massiven Technologieschnitt in SharePoint Online. Sie betreffen nicht nur Randfunktionen, sondern zentrale Bausteine vieler gewachsener Umgebungen. Wer jetzt nicht handelt, wird spätestens im April 2026 mit Funktionsverlusten und Sicherheitsrisiken konfrontiert.
Unser Rat: Nutzt das Microsoft Assessment Tool, analysiert eure Umgebung und plant die Umstellung frühzeitig. So könnt ihr reibungslos auf moderne, zukunftsfähige Technologien umsteigen.



